Rückflussverhinderer prüfen: So schützen Sie Ihr Trinkwasser vor Verunreinigungen
Feb, 3 2026
Stellen Sie sich vor, Ihr Wasserhahn gibt plötzlich Wasser ab, das nicht nur aus der Leitung kommt, sondern auch aus der Waschmaschine, der Heizung oder sogar aus einem Löschwassertank. Klingt wie ein Horrorfilm? In Deutschland passiert das - wenn niemand den Rückflussverhinderer prüft. Diese kleine Armatur ist der unsichtbare Wächter Ihres Trinkwassers. Und sie muss funktionieren. Jedes Jahr, in jedem Haus, in jeder Wohnung.
Was ist ein Rückflussverhinderer und warum brauchen Sie ihn?
Ein Rückflussverhinderer ist eine mechanische Sicherheitsvorrichtung, die verhindert, dass verunreinigtes Wasser aus Ihrer Anlage zurück in das öffentliche Trinkwassernetz fließt. Das passiert nicht durch Zufall. Es geschieht, wenn der Druck in Ihrer Hausinstallation plötzlich sinkt - etwa, wenn ein Wasserrohr bricht, eine Feuerwehr einen Hydranten öffnet oder eine Pumpe ausfällt. Dann entsteht ein Unterdruck, und alles, was an Ihrer Leitung hängt, wird nach hinten gesaugt. Was dann ins Trinkwasser gelangt, ist kein theoretisches Risiko. Es ist real: Reinigungsmittel, Schwermetalle, Schimmelpilze, Heizungswasser, Abwasser - alles, was mit Ihrem Wasser in Kontakt kommt, kann in Ihre Leitungen und die Ihrer Nachbarn gelangen. In Deutschland ist das seit 1988 gesetzlich vorgeschrieben. Die DIN 1988-400 und die europäische Norm DIN EN 1717 legen fest, wo und wie diese Geräte installiert werden müssen. Kein Kompromiss. Keine Ausnahme. Nicht mal für ein altes Haus. Wenn Sie in einem Gebäude leben, das vor 1988 gebaut wurde, ist es wahrscheinlich, dass kein Rückflussverhinderer eingebaut ist. Und das ist eine Lücke, die Ihr Trinkwasser gefährdet.Wie funktioniert ein Rückflussverhinderer?
Ein Rückflussverhinderer arbeitet mit einer Feder und einer Dichtung. Wenn alles normal läuft - also der Druck auf der Zulaufseite höher ist als auf der Ablaufseite - bleibt die Feder gedrückt und das Wasser fließt frei. Sobald sich der Druck auf der anderen Seite erhöht - etwa weil eine Pumpe läuft oder ein Schlauch in einen Eimer mit Reinigungsmittel gesteckt ist - schließt die Feder automatisch. Das Wasser kann nicht mehr zurück. Es ist wie ein Einwegventil, aber viel präziser und sicherer als ein einfaches Rückschlagventil. Wichtig: Er muss waagerecht oder von unten durchflossen werden. Eine Installation in einer abwärtsführenden Leitung ist verboten. Warum? Weil eine Wassersäule über dem Gerät die Feder überlasten und die Dichtung beschädigen kann. Dann funktioniert er nicht mehr. Und das wissen viele Handwerker nicht. In Regensburg habe ich schon drei Häuser gesehen, in denen der Rückflussverhinderer falsch montiert war - einfach weil der Installateur dachte, „Hauptsache, er ist da“.Welche Risikokategorien gibt es?
Nicht alle Wasserquellen sind gleich gefährlich. Die Norm DIN EN 1717 teilt Flüssigkeiten in fünf Kategorien ein:- Kategorie 1: Kein Risiko - reines Trinkwasser.
- Kategorie 2: Geringes Risiko - z. B. Wasser aus einem Kaffeeautomaten mit Zucker oder Milch.
- Kategorie 3: Mittleres Risiko - z. B. Wasser aus einer Waschmaschine mit Waschmittel.
- Kategorie 4: Hoches Risiko - z. B. Heizungswasser mit Korrosionsschutz, Löschwasser mit Chemikalien.
- Kategorie 5: Höchstes Risiko - z. B. Abwasser, Abflüsse aus Krankenhäusern oder Laboren.
Wer ist verantwortlich - der Versorger oder der Eigentümer?
Das ist eine der häufigsten Fragen. Die Antwort: Es kommt auf die Region an. In einigen Städten installiert der Wasserversorger den Rückflussverhinderer direkt nach dem Wasserzähler. In anderen - wie bei der RheinEnergie AG in Köln, Frechen und Pulheim - ist der Hauseigentümer verantwortlich. In Regensburg ist es üblich, dass der Versorger den Zähler und den ersten Absperrhahn stellt, aber der Rückflussverhinderer liegt in Ihrer Verantwortung. Prüfen Sie Ihre Vertragsbedingungen. Wenn Sie unsicher sind, rufen Sie Ihren Wasserversorger an. Fragen Sie: „Ist der Rückflussverhinderer in meinem Haus installiert? Und wer ist für die Prüfung zuständig?“ Einige alte Anlagen haben noch gar keine Sicherung. Das ist kein Einzelfall. In 40 % der Häuser in Bayern, die vor 1990 gebaut wurden, fehlt der Rückflussverhinderer komplett. Das ist keine Kleinigkeit. Das ist eine öffentliche Gesundheitsgefahr.Wie wird ein Rückflussverhinderer geprüft?
Sie können ihn nicht einfach mit dem Auge prüfen. Er muss mit einem Differenzdruckmanometer getestet werden. Das macht ein zertifizierter Installateur. Der Prozess ist einfach:- Der Installateur schließt ein Prüfgerät an den Prüfanschluss am Rückflussverhinderer an.
- Er sperrt den Leitungsabschnitt ab und entleert ihn.
- Wenn jetzt Wasser weiterläuft - auch nur ein Tropfen - ist der Rückflussverhinderer undicht.
Was ist der Unterschied zu einem einfachen Rückschlagventil?
Ein einfaches Rückschlagventil ist billiger. Und es hält den Wasserfluss in eine Richtung. Aber es schützt nicht vor Rückdrücken. Nur vor Rücksaugen. Und das ist der entscheidende Unterschied. Wenn der Druck in der Leitung plötzlich steigt - etwa durch eine Pumpenanlage oder einen Hydranten - kann Wasser durch ein einfaches Ventil zurückgedrückt werden. Ein echter Rückflussverhinderer hält beides ab: Rückdrücken und Rücksaugen. Deshalb ist er die einzige zulässige Lösung für die meisten Anwendungen. Einige Feuerwehren versuchen, einfache Rückflussverhinderer an Hydranten zu nutzen. Das ist gefährlich. Nach DVGW-Informationen gibt es derzeit kein zertifiziertes Gerät, das für den Einsatz am Hydranten zugelassen ist. Das heißt: Jeder, der das tut, handelt gegen die Norm. Und riskiert, dass Löschwasser mit Chemikalien in das Trinkwassernetz gelangt.
Was passiert, wenn Sie nichts tun?
Sie könnten nie etwas merken. Bis eines Tages ein Nachbar krank wird. Oder ein Gesundheitsamt eine Untersuchung anordnet. Oder Ihr Wasserversorger eine Kontrolle durchführt und Ihnen eine Abmahnung schickt. Dann müssen Sie nicht nur den Rückflussverhinderer nachrüsten - sondern auch mögliche Kontaminationen untersuchen lassen. Das kostet Tausende. Und es ist peinlich. Die DVGW warnt: „Ohne Sicherung an der Schnittstelle Trinkwasser/Löschwasser können Inhaltsstoffe aus dem Löschwasser bis an die Entnahmestellen der Gebäudeinstallation gelangen.“ Das ist kein theoretisches Risiko. Das ist eine dokumentierte Gefahr. Und es passiert öfter, als man denkt.Was tun, wenn Sie unsicher sind?
1. Prüfen Sie den Wasserzählerbereich. Suchen Sie hinter dem Zähler nach einem Metallgehäuse mit einem kleinen Prüfanschluss (meist ein rotes oder blaues Ventil). Das ist Ihr Rückflussverhinderer. 2. Prüfen Sie das Prüfzeichen. Er muss ein DVGW-Prüfzeichen oder ein DIN/DVGW-Zertifikat tragen. Ohne das ist er nicht zulässig. 3. Prüfen Sie die Installation. Ist er waagerecht oder von unten installiert? Ist er in einer abwärtsführenden Leitung? Dann ist er falsch montiert. 4. Prüfen Sie das Alter. Wenn er älter als 10 Jahre ist, sollte er spätestens jetzt geprüft werden. 5. Beauftragen Sie einen Fachmann. Lassen Sie ihn prüfen. Machen Sie keinen Selbstversuch. Das ist kein Heimwerkerprojekt. Das ist Trinkwasserschutz.Die Zukunft: Intelligente Rückflussverhinderer
Die Technik entwickelt sich. Bald werden Rückflussverhinderer mit Sensoren ausgestattet sein, die kontinuierlich die Dichtheit messen und bei einem Fehler eine Nachricht an Ihr Smartphone senden. Die DVGW arbeitet bereits an neuen Richtlinien, die diese Digitalisierung vorsehen. Die Zukunft ist nicht mehr nur „prüfen, wenn es Zeit ist“. Die Zukunft ist „wissen, wann etwas schief läuft“. Aber bis dahin: Prüfen Sie. Jedes Jahr. Jedes Haus. Jedes Gebäude. Denn Ihr Trinkwasser ist kein Luxus. Es ist Lebensmittel Nummer eins. Und es verdient mehr als ein Auge zu.Muss ich einen Rückflussverhinderer in meiner Wohnung installieren?
Ja, wenn Ihre Wohnung an ein Trinkwassersystem angeschlossen ist. Seit 1988 ist das in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben. Ob Sie ihn selbst installieren müssen, hängt vom Wasserversorger ab. In vielen Regionen ist der Hauseigentümer verantwortlich. Prüfen Sie Ihre Vertragsbedingungen oder fragen Sie Ihren Versorger direkt.
Kann ich einen Rückflussverhinderer selbst einbauen?
Technisch vielleicht - aber rechtlich nicht empfohlen. Die Installation muss den Vorgaben der DIN 1988-400 entsprechen. Falsch montiert, funktioniert er nicht. Und wenn er nicht funktioniert, ist das eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit. Zudem muss er von einem zertifizierten Installateur geprüft werden. Deshalb ist es sinnvoller, gleich einen Fachmann zu beauftragen.
Was kostet die Prüfung eines Rückflussverhinderers?
Eine Prüfung durch einen zertifizierten Installateur kostet zwischen 80 und 150 Euro, je nach Region und Aufwand. Ein Austausch des Geräts liegt bei 200 bis 400 Euro, inklusive Montage und Prüfung. Das ist weniger als ein neuer Kaffeeautomat - und viel wichtiger.
Warum gibt es keine zertifizierten Rückflussverhinderer für Feuerwehrhydranten?
Weil Löschwasser in Hydranten oft mit Chemikalien, Öl oder Schmutz kontaminiert ist. Die Normen fordern eine absolute Trennung zwischen Trinkwasser und Kategorie-4-Flüssigkeiten. Ein einfacher Rückflussverhinderer reicht nicht aus, und ein Systemtrenner ist für diesen Einsatzfall nicht vorgesehen. Deshalb ist die Verwendung von Hydranten zur Trinkwasserentnahme in Deutschland nicht zulässig - und es gibt kein zertifiziertes Gerät dafür.
Ist ein Rückflussverhinderer auch für Waschmaschine und Geschirrspüler nötig?
Ja. Beide Geräte gehören zur Risikokategorie 3. Sie verbinden Trinkwasser mit Reinigungsmitteln, Weichspülern und Schmutzwasser. Ein einfacher Rückflussverhinderer ist hier ausreichend - aber er muss installiert sein. Viele moderne Geräte haben einen integrierten Rückschlag, aber das ersetzt nicht den zentralen Rückflussverhinderer in der Hausinstallation.
Was passiert, wenn ich den Rückflussverhinderer nicht prüfen lasse?
Sie riskieren eine Kontamination Ihres Trinkwassers - und damit die Gesundheit Ihrer Familie und Ihrer Nachbarn. Zudem kann Ihr Wasserversorger Sie zur Nachrüstung auffordern und bei Nichtbeachtung Sanktionen verhängen. In schwerwiegenden Fällen kann es zu einem Trinkwassersperre kommen. Das ist kein Risiko, das Sie eingehen sollten.