Rohrinnensanierung: Die zerstörungsfreie Lösung für alte Wasserleitungen
Feb, 16 2026
Stellen Sie sich vor: Sie wachen morgens auf, drehen den Wasserhahn auf - und es kommt nur ein Tropfen. Der Wasserdruck ist verschwunden. In der Küche läuft das Wasser trüb, in der Badewanne bleibt ein rostiger Belag zurück. Sie rufen einen Installateur, und die Nachricht ist klar: Ihre Wasserleitungen sind am Ende. Der einzige Weg? Die Wände aufreißen, die Fußböden heben, die alten Rohre rauswerfen und neue einbauen. Ein Monat Staub, Lärm, Chaos - und eine Rechnung, die mehrere Tausend Euro kostet. Aber was, wenn es einen anderen Weg gäbe? Einen, bei dem keine Wand kaputtgeht, kein Boden aufgerissen wird und die Leitungen in einem Tag wieder funktionieren? Das ist Rohrinnensanierung.
Was genau ist Rohrinnensanierung?
Rohrinnensanierung ist kein neuer Trend. Sie wurde 1987 vom Schweizer Ingenieur Werner Näf patentiert und hat seitdem Millionen von Gebäuden in Deutschland, Österreich und der Schweiz gerettet. Der Gedanke ist einfach: Statt das ganze Rohr zu ersetzen, wird das Innere der bestehenden Leitung gereinigt und mit einer dünnen, widerstandsfähigen Schicht aus Kunststoff beschichtet. Es ist wie eine Zahnkrone, nur für Ihre Wasserrohre. Die alten Rohre bleiben an Ort und Stelle - sie werden nicht entfernt, sondern zu einem Träger für eine neue, langlebige Innenbeschichtung.
Diese Methode funktioniert bei fast allen Rohrmaterialien: verzinktem Stahl, Kupfer, Grauguss oder sogar altem Blei. Besonders häufig ist sie nötig, wenn die Rohre nach 30, 40 oder sogar 50 Jahren stark verkalkt oder korrodiert sind. Die Ablagerungen verringern den Durchfluss, führen zu Rost im Wasser und können sogar undichte Stellen verursachen. Die Rohrinnensanierung beseitigt das Problem von innen - ohne eine einzige Bohrung in der Wand.
Wie funktioniert der Prozess?
Es ist kein Zauberei - aber es ist hochtechnisch. Der Prozess läuft in vier klaren Schritten ab:
- Zustandsprüfung: Zuerst wird mit einer hochauflösenden Kamera durch die Rohre gefahren. Diese Kamera zeigt genau, wo die Ablagerungen liegen, ob es Risse gibt oder ob das Rohr schon zusammengebrochen ist. Nur wenn das Rohr noch stabil genug ist, kann es saniert werden.
- Reinigung: Dann wird die Rohrinnenseite mit einem Sandstrahlverfahren bearbeitet. Druckluft mischt sich mit feinem Quarzsand und schleift die Ablagerungen restlos ab. Es ist wie Sandstrahlen - nur von innen. Die alten Rostschichten, Kalk, Biofilm und Fette verschwinden. Alles wird systematisch an jeder Zapfstelle durchgeführt: Küche, Bad, Waschmaschine, Heizung.
- Dichtheitsprüfung: Nach der Reinigung wird das gesamte Leitungsnetz mit Druckluft geprüft. Kein Leck, keine Undichtigkeit - sonst würde die Beschichtung nicht haften.
- Beschichtung: Ein flüssiges Epoxidharz (oder eine alternative Beschichtung) wird unter Druck durch die Rohre gepumpt. Es verteilt sich gleichmäßig und bildet eine nahtlose, glatte Schicht von nur 1-2 Millimetern Dicke. Mit Heißluft härtet es innerhalb weniger Stunden aus. Danach ist die Leitung sofort wieder nutzbar - kein Warten auf Trocknung, kein Risiko von Lecks.
Was viele nicht wissen: Die Beschichtung ist nicht nur dicht, sie ist auch glatter als das ursprüngliche Rohr. Das bedeutet: weniger Ablagerungen in Zukunft, weniger Widerstand, mehr Druck. Und das alles ohne neue Rohre, ohne Baustelle, ohne Staub.
Warum ist das besser als ein kompletter Rohraustausch?
Traditionell: Alles raus, alles neu. Das klingt nach einer dauerhaften Lösung - und ist es auch. Aber der Preis ist hoch. In einem Einfamilienhaus kostet ein vollständiger Rohraustausch zwischen 15.000 und 30.000 Euro. Dazu kommen Wochen der Unbewohnbarkeit, Schäden an Fliesen, Putz, Fußböden, Möbeln - und die Nacharbeit. Viele Mieter müssen ausziehen. Vermieter verlieren Mieteinnahmen. Versicherungen zahlen oft nur teilweise.
Rohrinnensanierung macht das Gegenteil: Sie ist bis zu zehn Mal schneller. Ein Haus mit 150 Metern Rohrleitung wird oft in einem Arbeitstag saniert. Die Kosten liegen zwischen 3.000 und 8.000 Euro - je nach Größe und Zustand. Und: Kein einziger Nagel wird aus der Wand gezogen. Keine Möbel müssen verschoben werden. Keine Nachbarn werden durch Lärm belästigt.
Und die Haltbarkeit? Die Garantie liegt bei 10 bis 30 Jahren. Einige Anbieter wie SANIRO garantieren sogar über 30 Jahre. RISAN bietet eine 10-jährige Neuwertgarantie - inklusive Schutz gegen Kalk und Rost. Das ist mehr als bei vielen neuen Rohren. Denn: Neue Kupferrohre korrodieren auch. Neue Stahlrohre verkalken. Die Beschichtung schützt das Rohr von innen - und hält länger.
Was ist mit Gesundheit und Umwelt?
Eine häufige Frage: Ist Epoxidharz sicher? Vor allem, wenn es um Trinkwasser geht? Hier hat sich die Technologie weiterentwickelt. Früher gab es Bedenken wegen Bisphenol A (BPA), einem Stoff, der in manchen Kunststoffen vorkommt. Heute bieten viele Anbieter wie Aqua-Protect spezielle Beschichtungen an - ohne Bisphenol A, ohne Epoxidharz, mit zertifizierten Materialien, die der deutschen Trinkwasserverordnung (TrinkwV 2023) voll entsprechen. In § 15 der TrinkwV ist klar geregelt: Nur Materialien, die keine gesundheitlichen Risiken bergen, dürfen in Trinkwasserleitungen verwendet werden. Die Branche hat sich an diese Regeln angepasst.
Und was mit der Entsorgung? Die alten Ablagerungen - Rost, Kalk, Biofilme - werden fachgerecht abgesaugt und als Sondermüll entsorgt. Es wird kein Schmutz im Haus zurückgelassen. Der Prozess ist geschlossen. Keine Abfälle, die durch die Wohnung fliegen. Keine Staubwolken. Keine Gerüche.
Wann ist Rohrinnensanierung nicht möglich?
Nicht jedes Rohr kann saniert werden. Wenn das Rohr vollständig eingebrochen ist, wenn es Risse von mehr als 5 Millimetern hat oder wenn es stark verformt ist, dann ist eine Sanierung nicht mehr möglich. In diesen Fällen bleibt nur der Austausch. Aber das ist selten. In über 85 % der Fälle, die Experten prüfen, ist eine Rohrinnensanierung machbar. Besonders bei Gebäuden aus den 60er bis 80er Jahren - mit verzinkten Stahlrohren - ist sie die perfekte Lösung.
Ein weiterer Punkt: Die Sanierung funktioniert nur, wenn die Rohre nicht vollständig verstopft sind. Wenn das Wasser überhaupt nicht mehr fließt, ist die Kamera blockiert, die Reinigung unmöglich. Dann ist es zu spät. Deshalb: Nicht abwarten, bis es gar nicht mehr geht. Sobald der Wasserdruck sinkt, das Wasser trüb wird oder rostige Flecken auftauchen - dann ist der richtige Zeitpunkt gekommen.
Wer macht das?
In Deutschland gibt es mehrere spezialisierte Unternehmen: RISAN GmbH (seit 1993), Dr. Rohr AG, SANIRO Rohrinnensanierung GmbH und andere. Sie arbeiten mit den gleichen Standards - den RSV-Merkblättern 4 und 7.3. Diese Merkblätter legen fest, wie die Reinigung, die Beschichtung und die Dokumentation ablaufen muss. Jede Sanierung wird mit Fotos, Videos und Protokollen dokumentiert. Am Ende bekommen Sie einen Sanierungsbericht - wie eine Werkstattrechnung, nur für Ihre Rohre.
Die Technik wird nicht nur in Einfamilienhäusern eingesetzt. Sie wird in Altenheimen, Krankenhäusern, Schulen, Hotels und Wohnanlagen genutzt. Wo es um Störungsfreiheit geht, ist Rohrinnensanierung die Nummer eins. Eine Schule in Hamburg hat ihre Leitungen in einer Ferienwoche saniert - ohne einen einzigen Unterrichtstag zu verlieren. Ein Altenheim in Lüneburg hat die Sanierung während der Nacht durchgeführt - die Bewohner merkten nichts davon.
Die Zukunft der Rohrinnensanierung
Die Technik entwickelt sich weiter. Neue Materialien werden getestet - flexibler, widerstandsfähiger, umweltfreundlicher. Die Nachfrage steigt. Denn immer mehr Menschen erkennen: Eine Sanierung muss nicht immer eine Zerstörung sein. Immer mehr Versicherungen übernehmen die Kosten, wenn die Sanierung als kostengünstigere Alternative zum Austausch nachgewiesen wird. Und die Trinkwasserverordnung 2023 macht es noch klarer: Nur noch solche Sanierungen sind erlaubt, die die Gesundheit nicht gefährden - und die nachhaltig sind.
Die Rohrinnensanierung ist kein Ausweichmanöver. Sie ist die logische Weiterentwicklung der Gebäudesanierung. Sie spart Geld. Sie spart Zeit. Sie spart Stress. Und sie bewahrt das, was viele vergessen haben: die Substanz des Gebäudes.
Was passiert, wenn Sie nichts tun?
Ein Rohr, das nicht saniert wird, wird nicht besser. Es wird schlechter. Die Ablagerungen häufen sich. Der Druck sinkt. Das Wasser wird trüber. Dann kommt der erste Leck - oft an einer unsichtbaren Stelle. Dann Wasser in der Wand. Dann Schimmel. Dann Schäden an der Bausubstanz. Dann eine teure Renovierung - mit voller Zerstörung. Und oft: keine Versicherung, die das bezahlt. Denn viele Versicherungen verweigern die Leistung, wenn die Schäden durch Vernachlässigung entstanden sind.
Die Rohrinnensanierung ist die letzte Chance, bevor es zu spät ist. Sie ist nicht teuer. Sie ist nicht aufwendig. Sie ist einfach die intelligenteste Lösung.
Kann ich Rohrinnensanierung auch für meine Fußbodenheizung nutzen?
Ja, absolut. Die Rohrinnensanierung funktioniert nicht nur für Trinkwasserleitungen, sondern auch für Fußbodenheizungen, Heizungsrohre und Abwasserkanäle. Bei Fußbodenheizungen wird besonders der Kalkabbau wichtig - denn Ablagerungen reduzieren die Wärmeleistung. Die Sanierung erhöht die Effizienz und verlängert die Lebensdauer des Systems. Die Beschichtung ist hitzebeständig bis über 70 °C - ideal für Heizkreisläufe.
Wie lange dauert eine Rohrinnensanierung?
Bei einem Einfamilienhaus mit normaler Rohrverlegung dauert die gesamte Sanierung meistens 1 bis 2 Tage. Die Reinigung und Beschichtung erfolgen oft an einem Tag. Die Heißluftaushärtung braucht nur wenige Stunden. Danach können Sie sofort wieder Wasser nutzen - ohne Wartezeit. Im Gegensatz zum Rohraustausch, der Wochen dauern kann, ist das ein großer Vorteil.
Ist die Beschichtung wirklich langlebig?
Ja. Die Beschichtung aus Epoxidharz oder alternativen Materialien ist extrem widerstandsfähig. Sie ist beständig gegen Korrosion, Kalk, Druck und Temperaturschwankungen. Unternehmen wie SANIRO garantieren 30 Jahre, RISAN 10 Jahre. Diese Garantien basieren auf jahrzehntelanger Praxis. In Deutschland wurden bereits Rohre aus den 1990er Jahren saniert - und sie funktionieren heute noch einwandfrei.
Was kostet eine Rohrinnensanierung?
Die Kosten liegen zwischen 3.000 und 8.000 Euro für ein Einfamilienhaus, abhängig von der Länge der Leitungen, dem Zustand und dem verwendeten Material. Im Vergleich zum Rohraustausch (15.000-30.000 Euro) ist das eine erhebliche Ersparnis. Viele Versicherungen übernehmen die Kosten bei Wasserschäden, wenn die Sanierung als sinnvolle Alternative nachgewiesen wird.
Brauche ich eine Genehmigung für die Rohrinnensanierung?
Nein. Da keine baulichen Veränderungen erfolgen - keine Wände aufgerissen, keine Fußböden entfernt - ist keine Baugenehmigung nötig. Die Sanierung gilt als Instandsetzung, nicht als Umbau. Sie unterliegt jedoch den Vorgaben der Trinkwasserverordnung (TrinkwV 2023), die sicherstellen, dass die verwendeten Materialien sicher für Trinkwasser sind.
Sarah Mertes
Februar 16, 2026 AT 16:29Ich hab das letztes Jahr bei meiner Oma machen lassen, die Wohnung aus den 70ern? Total gerettet! Kein Lärm, kein Staub, und nach einem Tag war das Wasser wieder klar wie Quellwasser. Warum macht das nicht jeder?!