Rohrbruch im Haus: Sofortmaßnahmen und Schadensregulierung im Überblick
Jan, 19 2026
Ein Rohrbruch im Haus ist kein seltenes Ereignis - er ist gefährlich, teuer und passiert oft, wenn man am wenigsten damit rechnet. In Deutschland entstehen jedes Jahr Schäden durch Rohrbrüche im Wert von über 1,5 Milliarden Euro. Der durchschnittliche Schaden liegt bei 8.500 Euro, bei schweren Fällen bis zu 50.000 Euro. Was viele nicht wissen: Die ersten 30 Minuten entscheiden, ob der Schaden noch beherrschbar ist - oder das ganze Haus zerstört wird.
Was genau ist ein Rohrbruch?
Ein Rohrbruch passiert, wenn eine Wasserleitung platzt oder undicht wird. Das kann an einer Nahtstelle passieren, an einer alten Kupferleitung, an einer spröden Kunststoffrohre oder sogar hinter der Wand, wo niemand hinsieht. Die Ursachen sind meistens leicht zu erklären: Frost, Materialermüdung oder falsche Installation. Laut dem Deutschen Institut für Bautechnik sind 67 % aller Wasserschäden in Wohnungen auf Rohrbrüche zurückzuführen - mehr als auf Überläufe, defekte Waschmaschinen oder undichte Armaturen zusammen.
Die meisten Rohrbrüche passieren im Winter. Wenn die Temperatur unter -5 °C fällt, gefriert das Wasser im Rohr, dehnt sich aus und reißt das Material. Die kritische Frosttiefe für Leitungen liegt bei 80 cm - das bedeutet: Wenn deine Wasserleitung in einem Keller oder einer ungedämmten Wand verläuft, ist sie gefährdet. Besonders betroffen sind Gebäude, die vor 1990 gebaut wurden. Dort sind 42 % aller Rohrbrüche zu verzeichnen. Die durchschnittliche Lebensdauer einer Wasserleitung in Deutschland beträgt heute 32 Jahre - viele sind also längst überfällig.
Warum ist ein Rohrbruch so schlimm?
Ein Rohrbruch ist nicht nur ein nasser Fleck an der Wand. Er ist eine Zeitbombe. Innerhalb von sechs Stunden können bis zu 1.200 Liter Wasser auslaufen - das sind 5 Liter pro Minute. Stell dir vor: Eine Badewanne fasst 150 Liter. In weniger als zwei Stunden ist also acht Mal so viel Wasser ausgelaufen wie in einer vollen Wanne.
Doch das Schlimmste kommt danach: Schimmel. Laborstudien der Technischen Universität Braunschweig zeigen, dass Schimmelpilze bereits nach 48 Stunden beginnen, sich in nassen Wänden und Böden auszubreiten. Und Schimmel ist nicht nur gesundheitsschädlich - er ist extrem teuer zu entfernen. Versicherungen zahlen oft nur, wenn du nachweisen kannst, dass du alles getan hast, um den Schaden zu begrenzen. Wer zu lange wartet, verliert Anspruch auf volle Entschädigung.
Ein weiterer Grund, warum Rohrbrüche so teuer sind: Sie passieren oft dort, wo man sie nicht sieht. Hinter der Wand, unter dem Estrich, im Dachgeschoss. Deshalb ist der Schaden oft viel größer, als man am Anfang denkt. Im Vergleich zu anderen Wasserschäden - wie einer leckenden Spülmaschine - sind Rohrbrüche 40 % teurer, weil sie länger unentdeckt bleiben.
Was tun, wenn das Rohr platzt?
Die wichtigste Regel: Handeln, nicht zögern. Jede Minute zählt. Hier ist, was du sofort tun musst - in dieser Reihenfolge.
- Wasserhahn abschalten. Gehe zum Hauptwasserhahn. Der ist meist im Keller, in der Hauswirtschaftsraum oder im Hausanschlussraum. Drehe ihn im Uhrzeigersinn bis er fest ist. Bei modernen Häusern gibt es zwei Ventile: eines für Kaltwasser, eines für Warmwasser. Beide müssen geschlossen werden. Wenn du unsicher bist: Schließe beide. 32 % der Altbauwohnungen haben Ventile, die schwer zugänglich sind - deshalb ist es wichtig, sie im Voraus zu finden und zu markieren.
- Strom abschalten. Wasser leitet Strom. Wenn das Wasser in der Nähe von Steckdosen, Lampen oder Heizkörpern austritt, besteht elektrische Gefahr. Schalte die Sicherung für den betroffenen Bereich ab - oder, wenn du unsicher bist, die Hauptsicherung. Die Feuerwehr Berlin warnt: 22 % der Einsätze bei Wasserschäden enden in Stromschlägen, weil Menschen den Strom nicht abgeschaltet haben.
- Dokumentiere den Schaden. Nimm dein Handy und mache mindestens 15 Fotos. Von oben, von unten, von der Seite. Zeige das Wasser, die nassen Wände, den Boden, die betroffenen Möbel. Mache auch ein Foto mit einem Maßband oder einer Münze, damit die Größe des Schadens sichtbar ist. Wichtig: Fotos mit Zeitstempel. Ein Nutzer auf haus.de berichtete, dass ihm die Fotos mit Datum genau 3.200 Euro bei der Versicherung eingebracht haben. Ohne Dokumentation bekommst du oft nur die Hälfte.
- Professionelle Hilfe rufen. Rufe den Notdienst deiner Hausinstallation oder einen Schornsteinfeger mit Wasser-Notdienst an. Laut dem Branchenverband SHK reagieren Spezialisten durchschnittlich in 47 Minuten. Wenn du einen Schaden von mehr als 2.000 Euro vermeiden willst, solltest du innerhalb von 10 Minuten die Wasserzufuhr stoppen. Nutzer, die das geschafft haben, berichten von Schäden unter 2.000 Euro. Wer länger wartet, landet oft bei 12.500 Euro und mehr.
Wie funktioniert die Schadensregulierung?
Die Versicherung zahlt nur, wenn du die richtigen Papiere hast. Aber nicht jede Versicherung deckt Rohrbrüche ab.
Die Privathaftpflichtversicherung zahlt nur, wenn du jemand anderen geschädigt hast - zum Beispiel, wenn dein Rohrbruch die Wohnung unter dir überschwemmt hat. Die Hausratversicherung zahlt für deine Möbel, Kleidung, Elektronik - aber nur, wenn du eine Elementarschadenversicherung als Zusatzbaustein hast. Das ist wichtig: Diese Versicherung ist nicht Standard. Viele Leute haben sie nicht, weil sie sie für teuer halten. Aber sie kostet im Durchschnitt nur 50 Euro pro Jahr - und deckt Rohrbrüche ab.
Die größten Versicherer in Deutschland - Allianz, AXA, Signal Iduna - haben zusammen 68 % des Marktes. Sie nutzen heute fast alle mobile Apps zur Schadensmeldung. Du kannst Fotos hochladen, den Schaden beschreiben und bekommst oft innerhalb von 24 Stunden eine Rückmeldung. Das verkürzt die Bearbeitungszeit um durchschnittlich 3,2 Tage.
Was du nicht tun darfst: Den Schaden einfach „wegwischen“ oder „trocknen lassen“. Versicherungen prüfen genau, ob du die Schadensbegrenzung ernst genommen hast. Wenn du keine Fotos hast, keine Notizen über die Zeitpunkte, keine Beweise für das Abschalten des Wassers - dann wird die Versicherung die Zahlung kürzen oder verweigern. 37 % aller Verzögerungen bei der Schadensregulierung liegen an unvollständiger Dokumentation.
Was passiert nach dem Rohrbruch?
Nachdem das Wasser abgestellt und die Fotos gemacht sind, kommt die Sanierung. Das ist kein DIY-Projekt. Ein Rohrbruch hinter der Wand bedeutet: Wandöffnung, Trocknung, Isolierung, neue Leitungen, Putz, Farbe. Das macht ein Fachmann. Die meisten Versicherungen stellen einen Sanierungspartner zur Verfügung - du musst nicht selbst suchen.
Aber Achtung: Wenn du selbst loslegst - etwa mit einem Haartrockner oder einer Heizung - kannst du den Schaden verschlimmern. Luftfeuchtigkeit kann sich in anderen Bereichen festsetzen. Experten empfehlen: Nutze professionelle Luftentfeuchter. Die werden von der Versicherung oft gestellt. In Mehrfamilienhäusern ist die Situation besonders komplex: 68 % der Schäden in oberen Stockwerken beeinträchtigen auch die Wohnungen darunter. Hier ist die Koordination mit dem Vermieter und den Nachbarn entscheidend.
Wie vermeidest du einen Rohrbruch?
Die beste Strategie: Vorbeugen. Du kannst nicht verhindern, dass ein Rohr mal bricht - aber du kannst die Wahrscheinlichkeit stark senken.
- Wintervorbereitung: Isoliere Leitungen in unbeheizten Räumen. Nutze Schaumstoffhüllen - sie kosten 10 Euro pro Meter und halten jahrelang.
- Wasserhahn finden: Markiere den Hauptwasserhahn mit einem farbigen Klebeband. Schreibe auf, wo er ist. Mach es deiner Familie oder Mitbewohnern klar. 28 % der Mieter in Altbauten können den Hahn nicht finden - das ist ein riesiges Risiko.
- Wasser-Notfallplan: Erstelle eine Liste: Wer ruft wen? Wo ist die Versicherungsnummer? Wer hat den Schlüssel zum Keller? Die Deutsche Schadenhilfe sagt: Wer einen Plan hat, reagiert 65 % schneller.
- Smart-Sensor: Seit Januar 2024 bietet die Allianz intelligente Wassersensoren an. Die montierst du an der Hauptleitung. Bei einem Leck schließen sie automatisch das Ventil und benachrichtigen dich und die Versicherung. Die Schadenshöhe sinkt dadurch um durchschnittlich 82 %. Das ist kein Science-Fiction - das ist heute verfügbar.
Was kostet ein Rohrbruch wirklich?
Es geht nicht nur um die Reparatur. Ein Rohrbruch kostet:
- 3.000-10.000 Euro für Trocknung, Sanierung, neue Fliesen
- 2.000-15.000 Euro für beschädigte Einrichtung
- 1.000-5.000 Euro für temporäre Unterkunft, wenn du nicht wohnen kannst
- 200-500 Euro für Gutachten und Schadensgutachter
Und das sind nur die direkten Kosten. Dazu kommen Stress, Schlaflosigkeit, Streit mit der Versicherung, Angst vor Schimmel. Wer sich vorbereitet, spart nicht nur Geld - er spart Nerven.
Was passiert, wenn du nichts tust?
Wenn du den Rohrbruch ignorierst - oder nur „mal abwarten“ - wird es schlimmer. Der Schimmel verbreitet sich. Die Wand wird faul. Der Boden sackt ab. Die Versicherung kann dir die Zahlung verweigern, wenn sie feststellt, dass du den Schaden nicht minimiert hast. Und du bist nicht nur für deine Wohnung verantwortlich - in Mietshäusern haftest du auch für den Schaden der Nachbarn. Das kann dich finanziell ruinieren.
Die Bundesregierung plant bis 2025 eine gesetzliche Vorgabe: Alle Bestandsbauten müssen ab 2025 über ausreichenden Frostschutz verfügen. Wer nicht nachrüstet, riskiert nicht nur Schäden - sondern auch rechtliche Konsequenzen.
Was mache ich, wenn ich den Hauptwasserhahn nicht finde?
Gehe in den Keller, den Hausanschlussraum oder den Technikraum. Der Hahn ist meist an der Hauptleitung, oft direkt nach dem Zähler. Wenn du ihn nicht findest, suche nach einem roten oder grünen Hebel - das ist oft die Absperrung. In Altbauten ist er manchmal hinter einer Wandverkleidung oder unter einem Kasten verborgen. Falls du wirklich keinen findest: Rufe sofort den Notdienst. Die Feuerwehr oder ein Installateur kann die Zuleitung von außen abstellen.
Deckt meine Versicherung einen Rohrbruch?
Das hängt von deinem Vertrag ab. Die Privathaftpflicht zahlt nur, wenn du einen Nachbarn geschädigt hast. Die Hausratversicherung zahlt für deine Sachen - aber nur, wenn du eine Elementarschadenversicherung als Zusatz hast. Diese ist oft nicht automatisch dabei. Prüfe deine Versicherungsunterlagen oder rufe deinen Versicherer an. Ohne diese Zusatzversicherung zahlst du den Schaden selbst - und das kann bis zu 50.000 Euro kosten.
Kann ich den Schaden selbst reparieren?
Nein - zumindest nicht, wenn du die Versicherung nicht verlieren willst. Selbst wenn du den Leckort selbst reparierst, muss die Trocknung, die Sanierung der Wände und der Boden von einem Fachmann durchgeführt werden. Versicherungen verlangen einen professionellen Schadensgutachter. Wenn du selbst loslegst, riskierst du, dass die Versicherung die Zahlung ablehnt - weil sie nicht beweisen kannst, dass der Schaden ordnungsgemäß beseitigt wurde.
Wie lange dauert die Schadensregulierung?
Mit vollständiger Dokumentation und digitaler Meldung dauert es durchschnittlich 10-14 Tage. Ohne Fotos, ohne Zeitstempel, ohne Meldung innerhalb von 48 Stunden: 3-6 Wochen. 41 % der Nutzer berichten auf versicherungsrecht.de von Verzögerungen von mehr als 14 Tagen - oft wegen fehlender Unterlagen. Je schneller du alles einreichst, desto schneller bekommst du Geld.
Was ist mit Schimmel nach dem Rohrbruch?
Schimmel ist ein eigenes Problem. Die Versicherung zahlt nur, wenn du nachweisen kannst, dass du alles getan hast, um ihn zu verhindern - also innerhalb von 48 Stunden mit der Trocknung begonnen hast. Wenn Schimmel entstanden ist, muss ein Schimmelsachverständiger den Befall dokumentieren. Die Kosten dafür werden von der Versicherung übernommen, wenn du rechtzeitig gehandelt hast. Wenn du zu lange gewartet hast, zahlst du die Sanierung selbst - und das kann 5.000 bis 20.000 Euro kosten.