Notarkostenrechner für Immobiliengeschäfte: So nutzen Sie Online-Tools richtig
Feb, 13 2026
Beim Immobilienkauf in Deutschland fallen Notarkosten an - und die sind nicht zu unterschätzen. Sie machen oft 1,5 bis 2 Prozent des Kaufpreises aus. Wer das nicht weiß, läuft Gefahr, das Budget zu überziehen. Glücklicherweise gibt es heute Online-Tools, die dir helfen, diese Kosten im Voraus zu berechnen. Aber Vorsicht: Nicht jeder Rechner sagt dir die ganze Wahrheit. Hier erfährst du, wie du sie richtig nutzt, was du wirklich bezahlst und warum du trotzdem nicht um einen Notar herumkommst.
Was genau sind Notarkosten beim Immobilienkauf?
Beim Kauf einer Wohnung oder eines Hauses in Deutschland musst du den Kaufvertrag notariell beurkunden. Das ist Gesetz. Der Notar prüft die Unterlagen, klärt alle Parteien auf, sichert die Rechte ab und trägt die Eigentumsübertragung ins Grundbuch ein. Für all das berechnet er Gebühren. Diese Gebühren sind nicht freiwillig, nicht verhandelbar - sie sind gesetzlich festgelegt. Das Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) regelt, wie viel der Notar nehmen darf. Die Kosten setzen sich zusammen aus:
- Einfacher Gebühr (für die Beurkundung des Kaufvertrags)
- 5,5-facher Gebühr (für die Vollstreckung des Geschäfts und die Grundschuld)
- Umsatzsteuer (19 % auf die Gesamtgebühr)
Ein Beispiel: Bei einem Kaufpreis von 300.000 € liegen die Notarkosten bei etwa 4.156 €. Das klingt viel - und ist es auch. Aber du kannst es vorher genau kalkulieren.
Wie funktionieren Online-Notarkostenrechner?
Online-Notarkostenrechner sind digitale Hilfsmittel, die dir in wenigen Sekunden eine grobe Schätzung liefern. Du gibst einfach den Kaufpreis ein, manchmal auch die Höhe der Grundschuld und die Art des Rechtsgeschäfts (Kauf, Schenkung, Erbschaft). Der Rechner rechnet dann nach den Vorgaben des GNotKG. Die meisten nutzen die Formel: 5,5-fache einfache Gebühr + Umsatzsteuer.
Die Rechner von notar.de (offiziell der Bundesnotarkammer), Check24, Interhyp oder Immoverkauf24 arbeiten alle nach dem gleichen Prinzip. Sie unterscheiden sich nur in der Benutzerfreundlichkeit und der Detailtiefe. Einige zeigen dir eine Aufschlüsselung: Was kostet die Beurkundung? Was die Grundschuld? Was die Eintragung ins Grundbuch?
Ein realistisches Beispiel: Bei 300.000 € Kaufpreis und 200.000 € Grundschuld rechnet der Rechner von Immoverkauf24.de:
- Beurkundung Kaufvertrag: 1.270 €
- Vollzug des Geschäfts: 318 €
- sonstige Tätigkeiten: 318 €
- Beurkundung Grundschuld: 635 €
- Mehrwertsteuer: 483 €
- Gesamt: 3.023 €
Warte - das ist doch weniger als 4.156 €? Richtig. Weil der Rechner nur die Beurkundung der Grundschuld berechnet, nicht die 5,5-fache Gebühr für den gesamten Vorgang. Hier liegt der Unterschied zwischen einfachen und detaillierten Rechnern. Der einfachere Rechner sagt: 2 % von 300.000 = 6.000 €. Der genaue sagt: 4.156 €. Beides ist richtig - je nachdem, wie du rechnest.
Welche Rechner sind vertrauenswürdig?
Nicht jeder Rechner ist gleich. Der offizielle Rechner von notar.de ist die verlässlichste Quelle, weil er direkt von der Bundesnotarkammer betrieben wird. Er ist einfach, klar und transparent. Er sagt dir auch klar: „Dieser Rechner dient nur zur ersten Information.“
Andere Anbieter wie Check24 oder Interhyp sind ebenfalls seriös, aber manchmal etwas verlockend. Sie zeigen dir nicht nur Notarkosten, sondern auch Finanzierungsangebote - und manchmal wird der Nutzer verwirrt. Einige Rechner berechnen nur den Kauf, andere auch die Löschung einer alten Grundschuld. Das macht einen Unterschied von mehreren hundert Euro.
Der Handelsblatt-Rechner ist besonders benutzerfreundlich. Du brauchst nur zwei Zahlen: Kaufpreis und Darlehenshöhe. Der Immoverkauf24-Rechner zeigt dir eine Tabelle mit Kosten von 50.000 € bis 400.000 € Kaufpreis - ideal, wenn du mehrere Immobilien vergleichst.
Was diese Rechner NICHT sagen
Das ist der entscheidende Punkt: Kein Online-Rechner kann alle Kosten abdecken. Hier sind die häufigsten Überraschungen, die du nicht siehst:
- Bauverpflichtung: Wenn du ein Grundstück kaufst und ein Haus bauen musst, fallen zusätzliche Gebühren an. Ein Nutzer aus dem Immobilien-Forum schrieb: „Ich hatte 4.200 € berechnet - der Notar hat 5.100 € verlangt, weil die Bauverpflichtung dazukam.“
- Unterschriftenbeglaubigung: Wenn du den Vertrag nicht persönlich unterschreibst, sondern per Post oder Vollmacht, kostet das extra - mindestens 20 €, bis zu 70 €.
- Grundbuchauszug: Du brauchst mehrere Auszüge - das kostet pro Stück 15-20 €.
- Vertragsänderungen: Wenn du nach der Beurkundung etwas änderst (z. B. den Namen eines Mitkäufers), zahlt der Notar erneut.
- Schenkung oder Erbschaft: Hier gelten andere Regeln. Ein Rechner für Kaufpreise ist hier völlig nutzlos. Du brauchst einen speziellen Rechner, wie den von Sommerfeld-Majka.de.
Die Bundesnotarkammer selbst warnt: „Es können je nach Vorgang Mindest- und Höchstgebühren anfallen, die dieser Gebührenrechner nicht berücksichtigt.“
Wie nutzt du einen Notarkostenrechner richtig?
Ein Online-Rechner ist kein Ersatz für den Notar - aber er ist dein bester Freund bei der Budgetplanung. So gehst du vor:
- Notiere den genauen Kaufpreis. Nicht den Preis, den du dir wünschst - den, den du wirklich zahlst.
- Finde heraus, wie hoch deine Grundschuld ist. Das ist meistens dein Darlehen. Wenn du bar kaufst, gibst du 0 € ein.
- Wähle die richtige Vertragsart. Kauf? Grundschuldabtretung? Löschung? Nicht alle Rechner fragen danach - aber du solltest es wissen.
- Nutz mehrere Rechner. Vergleiche notar.de, Check24 und Immoverkauf24. Die Ergebnisse unterscheiden sich oft um 200-500 €. Das ist normal.
- Rechne mit 2,5 % des Kaufpreises. Wenn du sicher gehen willst, nimm die höchste Schätzung und addiere 10 % Puffer. So vermeidest du böse Überraschungen.
- Frage deinen Notar frühzeitig. Wenn du unsicher bist, ruf an. Ein guter Notar sagt dir vorab, was auf dich zukommt. Das ist kostenlos.
Warum ist das wichtig?
Im Jahr 2023 wurden in Deutschland Immobilien im Wert von 285 Milliarden Euro verkauft. Fast 90 % der Käufer nutzen vorab einen Online-Rechner. Besonders jüngere Menschen zwischen 18 und 35 Jahren - 94 % von ihnen. Sie sind digital unterwegs und wollen Transparenz. Aber auch ältere Käufer nutzen diese Tools: 72 %.
Die Digitalisierung schreitet voran. Im Jahr 2025 will die Bundesnotarkammer eine offizielle App mit integriertem Rechner veröffentlichen. Langfristig könnte der Notar sogar Echtzeit-Kalkulationen über digitale Systeme anbieten. Aber bis dahin: Die Rechner sind dein wichtigster Helfer - aber nicht dein letzter.
Was Experten sagen
Prof. Dr. Klaus-Peter Braczyk von der Universität Passau sagt: „Die Faustregel von 1,5 % gilt nur für einfache Käufe unter 500.000 €. Über diesem Betrag wird es kompliziert. Da lohnt sich die Beratung vorab.“
Rechtsanwalt Dr. Markus Sommerfeld ergänzt: „Ein Rechner kann dir helfen, dein Budget zu planen. Aber er kann nicht deine Rechtslage klären. Wenn du eine Erbschaft, eine Schenkung oder eine Miteigentümer-Regelung hast, brauchst du einen Fachmann.“
Und das ist der Schlüssel: Ein Online-Rechner ist kein Jurist. Er ist ein Kalkulator. Er rechnet Zahlen. Er sagt nicht, ob du ein Risiko eingehst. Er sagt nicht, ob du einen versteckten Mangel übernimmst. Er sagt nicht, ob du die richtige Finanzierung hast.
Er sagt nur: „Wenn du 350.000 € zahlst, kostet das Notarhandeln etwa 4.800 €.“
Das ist wertvoll. Aber es ist nur der Anfang.
Peter Awiszus
Februar 13, 2026 AT 20:13Ich nutze immer notar.de. Einfach, klar, keine Werbung. Der Rest ist meistens nur eine Verpackung für Finanzprodukte.
Wenn du 2,5 % rechnest, bist du auf der sicheren Seite. Punkt.