Keller als Einliegerwohnung: So sicherst du Brandschutz und Fluchtwege richtig
Feb, 22 2026
Warum ein Keller nicht einfach zur Wohnung wird
Ein Keller als Wohnung nutzen? Klingt praktisch: mehr Platz, niedrigere Miete, keine Nachbarn oben. Doch wer das macht, ohne die Regeln zu kennen, setzt nicht nur sich selbst, sondern auch andere in Gefahr. In Deutschland ist es nicht erlaubt, einfach einen Keller umzubauen und ihn als Wohnraum zu nutzen. Es gibt strenge Regeln - vor allem für Brandschutz und Fluchtwege. Und wer sie ignoriert, riskiert nicht nur eine Bauverfügung, sondern auch hohe Kosten, Versicherungsverweigerung und im schlimmsten Fall Leben.
Zwei Rettungswege - kein Ausweg ohne zweiten
Der größte Fehler bei Kellerwohnungen? Man glaubt, ein Fenster reicht. Doch laut der Landesbauordnung (LBO) jedes Bundeslandes braucht jeder Wohnraum zwei voneinander unabhängige Rettungswege. Ein Fenster ist nur ein Weg. Der zweite muss anders sein. Ein Lichtschacht zählt nicht. Das hat das Verwaltungsgericht Siegen im Januar 2024 klargestellt: Ein Keller mit nur einem Fenster ist rechtswidrig, egal wie groß das Fenster ist.
Was zählt als zweiter Rettungsweg? Nur zwei Dinge: Ein zweiter Zugang nach draußen - zum Beispiel über eine Terrasse - oder ein separater Treppenabgang, der direkt ins Freie führt. Der Zugang muss mindestens 0,70 Meter breit sein und eine lichte Höhe von 1,20 Metern haben. Und er muss so beschaffen sein, dass man ihn auch bei Dunkelheit, Rauch oder einem Brand sicher nutzen kann. Kein Schrank, kein Werkzeug, kein Fahrrad darf den Weg blockieren.
Die Tür zwischen Keller und Treppenhaus - dein wichtigster Brandschutz
Wenn du den Keller als Wohnung nutzt, ist er ein eigener Brandabschnitt. Das bedeutet: Die Tür vom Keller ins Treppenhaus muss eine feuerhemmende Brandschutztür (T30) sein. Das heißt: Sie hält mindestens 30 Minuten lang einem Brand stand, ohne durchzubrennen. So wird verhindert, dass Feuer und Rauch schnell ins Haus gelangen.
Und das ist kein Bonus - das ist Pflicht. Laut dem Bundesministerium für Wohnen wurden im Jahr 2023 bei 42% aller genehmigten Kellerwohnungen Mängel festgestellt. Die häufigste Beanstandung? Die falsche Tür. Oft wurde eine normale Innentür eingebaut. Das reicht nicht. Eine T30-Tür kostet zwischen 800 und 1.500 Euro, je nach Qualität. Aber ohne sie gibt es keine Genehmigung. Und wenn du sie nachträglich einbauen musst, kostet das nicht nur Geld - es kostet auch Zeit und Ärger mit der Behörde.
Was du über Fenster und Licht wissen musst
Ein Fenster ist zwar kein zweiter Rettungsweg, aber es ist trotzdem nötig. Die meisten Landesbauordnungen schreiben vor: Die Fensterfläche muss mindestens 10% der Bodenfläche des Raumes betragen. Ein 20 m² großer Keller braucht also mindestens 2 m² Fensterfläche. In Bremen ist es mit 8,5% etwas lockerer - aber überall sonst gilt die 10%-Regel.
Doch es geht nicht nur um Größe. Das Fenster muss auch so geplant sein, dass man es im Notfall öffnen kann - ohne Werkzeug, ohne Hilfe. Und es muss so positioniert sein, dass man es auch von innen erreichen kann. Ein Fenster, das nur zur Belichtung dient, aber zu hoch liegt oder von Möbeln verdeckt wird, zählt nicht.
Was du nicht sehen kannst: Luft, Feuchtigkeit und Wärme
Brandschutz ist nicht nur Feuer. Ein Keller, der zur Wohnung wird, muss auch gesund sein. Die Luftfeuchtigkeit darf nicht über 60% steigen. Sonst wächst Schimmel - und der ist gefährlich. Eine Studie der TU Dresden aus 2022 zeigte: 68% der illegal umgebauten Kellerwohnungen haben Schimmelsporen über 1.000 CFU/m³. Die WHO sagt: unter 500 CFU/m³ ist sicher. Das heißt: Fast alle illegalen Kellerwohnungen sind gesundheitlich bedenklich.
Wie bekommst du das unter Kontrolle? Mit einer Lüftungsanlage. Natürliche Belüftung durch Fenster reicht nicht. Die Luft bleibt stehen, Feuchtigkeit bleibt hängen. Eine mechanische Lüftung kostet zwischen 3.000 und 5.000 Euro, aber sie ist oft die einzige Lösung. Und sie ist notwendig - sonst bekommst du auch keine Genehmigung.
Die Kellerdecke muss außerdem gut gedämmt sein. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) schreibt einen U-Wert von maximal 0,30 W/(m²K) vor. Das bedeutet: Die Dämmung muss so stark sein, dass kaum Wärme nach unten entweicht. Die Kosten liegen zwischen 45 und 65 Euro pro Quadratmeter. Aber wenn du das nicht machst, läufst du nicht nur gegen die Energievorschriften - du schaffst auch Kondenswasser, das wiederum Schimmel fördert.
Was du an Materialien verwenden darfst - und was nicht
Die Materialien, die du im Keller verwendest, müssen spezielle Brandschutzklassen haben. Das ist kein Bonus, das ist Pflicht.
- Wände und Decken: Mindestens Klasse Bfl-s1
- Böden: Mindestens Klasse Cfl-s1
Diese Klassen bedeuten: Die Materialien brennen nicht leicht, und wenn sie brennen, geben sie wenig Rauch und keine brennenden Tröpfchen ab. Das ist entscheidend, wenn es um Rauchvergiftung geht - denn 42% aller Brandopfer in Deutschland sterben an Rauch, nicht an Feuer (Statistisches Bundesamt 2023).
Was passiert, wenn du günstige Materialien nimmst? Das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) hat geprüft: 31% der selbst gebauten Kellerwohnungen haben Brandschutzmängel. Und das ist kein kleiner Fehler. Das ist lebensgefährlich.
Was du nicht lagern darfst - und warum
Ein Keller ist kein Lagerraum. Und wenn er als Wohnung genutzt wird, ist er erst recht kein Lager für Brandgefahren.
Der Deutsche Mieterbund hat in seinem Brandschutzreport 2024 festgestellt: In 23% der Kellerbrände zwischen 2020 und 2023 war ein Gartengerät mit ölhaltigen Bestandteilen der Auslöser. Das heißt: Rasenmäher, Kettensägen, Ölkanister - alles, was Öl, Benzin oder Lösungsmittel enthält, ist tabu. Auch Farben, Lacke, Lösungsmittel, Holzstapel, Papier - alles, was leicht entzündlich ist, gehört nicht in die Wohnung.
Und das ist nicht nur eine Empfehlung. Viele Mietverträge verbieten das ausdrücklich. Wer das ignoriert, kann im Schadensfall bis zu 30% der Kosten tragen - so hat es das Amtsgericht München 2022 entschieden.
Was du noch brauchst: Beleuchtung, Melder, Dokumentation
Fluchtwege müssen beleuchtet sein. Mindestens 50 Lux. Das ist nicht viel - aber in einem Keller ohne Fenster am Ende des Ganges? Das ist unmöglich mit normalem Licht. Deshalb brauchst du eine Notbeleuchtung. Sie muss mindestens 60 Minuten lang funktionieren, wenn der Strom ausfällt. Die Kosten: durchschnittlich 2.300 Euro. Und sie ist Pflicht - laut DIN 6280-1:2022.
Was ist mit Rauchmeldern? In normalen Kellern - nein. Aber wenn du ihn als Wohnung nutzt? Dann ja. Und zwar nicht nur ein Melder, sondern ein vernetzter. Brandenburg hat ab 2024 diese Regel eingeführt. Thüringen folgt ab 2025. Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis das bundesweit gilt. Ein vernetzter Melder meldet sich nicht nur im Keller, sondern auch in der Wohnung oben. Das rettet Leben.
Und dann gibt es noch die Dokumentation. Die Behörde will Unterlagen: Baupläne, Brandschutzkonzept, Materialnachweise, Lüftungsplan. In Bayern wurden 2023 durchschnittlich 17 Dokumente verlangt. In Berlin waren es 12. Du kannst nicht einfach loslegen und hoffen, dass niemand nachfragt. Die Behörden prüfen genau.
Wie lange dauert es? Wie viel kostet es?
Die Genehmigung dauert zwischen 67 und 89 Tagen - je nach Bundesland. Berlin ist schneller, Sachsen-Anhalt langsamer. Und die Kosten? Sie summieren sich schnell.
- Zweiter Rettungsweg: durchschnittlich 12.850 €
- T30-Tür: 800-1.500 €
- Lüftungsanlage: 3.000-5.000 €
- Wärmedämmung (20 m²): 900-1.300 €
- Notbeleuchtung: 2.300 €
- Materialien (Böden, Wände): 1.500-2.500 €
Insgesamt: 20.000 bis 30.000 Euro. Klingt viel. Aber es ist der Preis für Sicherheit. Und für die Versicherung. Denn laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) verweigern 76% der Versicherer die Entschädigung, wenn die Vorschriften nicht eingehalten wurden. Du sparst jetzt - und zahlst später doppelt.
Was passiert, wenn du es nicht machst?
Die Behörde kommt. Sie untersagt die Nutzung. Du musst die Wohnung räumen. Du verlierst Mieteinnahmen. Du zahlst für die Rückbauarbeiten. Du bekommst eine Geldstrafe. Und wenn jemand verletzt wird? Dann bist du strafbar.
Doch das ist nicht das Schlimmste. Das Schlimmste ist: Du denkst, du hast einen Vorteil. Du hast aber eine Zeitbombe. Ein Keller, der nicht nach den Regeln gebaut ist, ist kein Zuhause. Er ist eine Falle.
Was du jetzt tun kannst
Wenn du einen Keller umbauen willst, dann fang nicht mit dem Bohren an. Fang mit der Behörde an. Hole dir die Landesbauordnung deines Bundeslandes. Frag nach den Anforderungen für Fluchtwege, Brandschutztüren und Lüftung. Lass dich von einem Architekten oder einem Brandschutzfachmann beraten. Das kostet ein paar Hundert Euro - aber es spart dir Tausende.
Ein Keller als Wohnung ist möglich. Aber nur, wenn du alles richtig machst. Nicht halb. Nicht günstig. Nicht nach Gefühl. Sondern nach Gesetz. Denn Leben zählt mehr als Geld.
Darf ich einen Keller ohne Fenster als Wohnung nutzen?
Nein. Jeder Wohnraum muss mindestens ein Fenster haben, das mindestens 10% der Bodenfläche ausmacht. Aber das allein reicht nicht. Ein Keller ohne Fenster hat keinen ersten Rettungsweg - und damit ist er gar nicht nutzbar als Wohnung.
Reicht ein Lichtschacht als zweiter Rettungsweg?
Nein. Ein Lichtschacht zählt nicht als Rettungsweg. Das haben mehrere Gerichte entschieden, darunter auch der Bayerische Verwaltungsgerichtshof. Ein Rettungsweg muss so breit und hoch sein, dass eine Person ihn in Notfallsituationen ohne Hilfsmittel passieren kann - ein schmaler Schacht mit Leiter erfüllt das nicht.
Was passiert, wenn ich die T30-Tür vergesse?
Die Bauaufsichtsbehörde weist deine Nutzung zurück. Du bekommst keine Baugenehmigung. Wenn du trotzdem wohnst, kann die Behörde die Nutzung untersagen und dich zwingen, die Wohnung zu räumen. Außerdem verweigern Versicherungen im Schadensfall die Leistung - und du bist haftbar, wenn jemand verletzt wird.
Muss ich Rauchmelder einbauen, wenn ich den Keller zur Wohnung mache?
In den meisten Bundesländern ist das noch nicht gesetzlich vorgeschrieben - aber es wird bald so sein. Brandenburg hat es ab 2024 verpflichtend gemacht, Thüringen ab 2025. Und selbst wenn es noch nicht Pflicht ist: Ein vernetzter Rauchmelder rettet Leben. Er warnt nicht nur dich, sondern auch die Bewohner im Obergeschoss. Es ist die billigste und effektivste Sicherheitsmaßnahme.
Kann ich die Arbeiten selbst machen?
Technisch ja - aber du musst die Vorschriften einhalten. Das Deutsche Institut für Bautechnik hat gezeigt: 31% der selbst durchgeführten Sanierungen haben Brandschutzmängel. Das ist kein Problem der Qualität, sondern der Kenntnis. Wer die Regeln nicht kennt, baut unsicher. Deshalb: Lass dich beraten, bevor du loslegst. Eine professionelle Planung spart dir später Schaden, Ärger und Geld.