Hochdruckreinigung der Fassade: Schonende Verfahren und Schutz vor Schäden
Feb, 24 2026
Wenn Ihre Fassade nach Jahren voller Regen, Schmutz und Moos wie ein altes Foto aussieht, ist Hochdruckreinigung eine der effektivsten Lösungen. Aber nicht jeder Druckstrahl ist für jede Fassade geeignet. Viele Hausbesitzer haben schon erlebt, wie nach einer selbst durchgeführten Reinigung Blasen im Putz entstanden oder die Farbe abblätterte. Die Wahrheit ist: Hochdruckreinigung kann Ihre Fassade wie neu machen - oder sie beschädigen. Es kommt darauf an, wie Sie es machen.
Was passiert wirklich bei der Hochdruckreinigung?
Bei der Hochdruckreinigung wird Wasser mit Drücken zwischen 80 und 150 Bar durch eine Düse auf die Fassade gesprüht. Das klingt einfach, aber hinter dieser Technik steckt mehr als nur Wasser unter Druck. Bei Putzfassaden aus Mineralien oder Klinker löst das Wasser nicht nur Schmutz, sondern auch die Wurzeln von Moos und Algen. Besonders effektiv ist Heißwasserreinigung mit Temperaturen bis zu 80 °C. Das heiße Wasser macht Fett, Öl und organische Ablagerungen flüssig - und tötet gleichzeitig Sporen ab, die sonst bald wieder wachsen. Einige professionelle Systeme arbeiten sogar mit Dampf bis zu 155 °C, besonders bei schwer zugänglichen Stellen oder empfindlichen Oberflächen, die trotzdem gründlich gereinigt werden müssen.Im Vergleich zu einem normalen Gartenschlauch braucht die Hochdruckreinigung nur ein Zehntel der Wassermenge. Und sie ist schneller: Für ein Einfamilienhaus mit 100 Quadratmetern Fassade braucht ein Profi etwa drei bis vier Stunden. Das ist viel weniger als eine Woche mit Bürste und Eimer.
Welche Fassaden vertragen Hochdruck?
Nicht jede Fassade ist für Hochdruck geeignet. Das ist der größte Fehler, den viele machen. Rauputz, Klinker und Betonfassaden vertragen Drücke von 100 bis 150 Bar ohne Probleme. Sie sind robust, haben eine dichte Struktur und halten den Wasserstoß aus. Hier ist die Reinigung effektiv und sicher.Aber was ist mit Silikonharzputz? Oder Kunstharzputz? Hier lautet die Antwort klar: Nein. Diese modernen Putze sind porös und flexibel. Der hohe Wasserdruck dringt in die obersten Schichten ein, reißt die Struktur auf und hinterlässt Blasen, Risse oder sogar Abplatzungen. Einige Hausbesitzer berichten, dass nach der Reinigung ihre Fassade wie ein „Zelluloid“ aussah - mit großen, unschönen Blasen, die später abfielen. Das ist kein Einzelfall. Experten von Fassadenreinigung-Kosten.de warnen ausdrücklich: „Bei Silikonharzputz sollte auf Hochdruckreinigung verzichtet werden.“
Ähnlich verhält es sich mit sehr alten, porösen Putzen oder solchen, die bereits Risse haben. Hier wirkt der Druck wie ein Bohrer. Er dringt tiefer ein, als er sollte, und verschlimmert den Zustand. Deshalb ist es immer wichtig, vorher zu prüfen, was für ein Material Ihre Fassade hat. Wenn Sie unsicher sind: Machen Sie einen Test. Reinigen Sie eine kleine, unauffällige Stelle - etwa unter einem Fensterbrett - mit niedrigem Druck und beobachten Sie, wie das Material reagiert.
Die richtige Technik: Abstand, Düse und Bewegung
Selbst bei der richtigen Fassadenart kann die falsche Technik Schaden anrichten. Viele Anwender halten die Düse zu nah an die Wand - manchmal nur 10 Zentimeter entfernt. Das ist ein klassischer Fehler. Der optimale Abstand liegt bei mindestens 40 bis 50 Zentimetern. Bei empfindlicheren Oberflächen sogar mehr. Ein weiterer Tipp: Arbeiten Sie immer von oben nach unten. Der Schmutz läuft dann einfach ab, statt sich unten zu sammeln und wieder aufzutragen.Die Düse ist ebenso wichtig wie der Druck. Flachdüsen verteilen das Wasser gleichmäßig über eine breite Fläche - ideal für große, gerade Wände. Rotordüsen drehen das Wasser in einem Kreis - perfekt für hartnäckige Flecken wie schwarze Algenflecken oder Rußablagerungen. Und für besonders zarte Oberflächen gibt es weiche Düsen, die das Wasser sanfter abgeben. Bei Metallfassaden oder Fassaden mit Dämmung dahinter empfehlen Experten von Kärcher Professional die Verwendung von Waschbürsten mit weichen Borsten. Diese Bürsten sorgen dafür, dass das Wasser nicht als Strahl, sondern als sanfter Film auf die Wand trifft. So wird die Isolierschicht hinter der Fassade nicht beschädigt.
Die Bewegung ist entscheidend. Halten Sie die Düse in gleichmäßigen, langsamen Streifen. Nicht zu schnell, nicht zu langsam. Und niemals an einer Stelle stehenbleiben. Sonst entsteht ein „Wasserloch“ - eine Vertiefung im Putz, die später Wasser sammelt und Schimmel fördert.
Heißwasser vs. Kaltwasser: Was ist besser?
Privatanwender nutzen meist Kaltwasser-Hochdruckreiniger. Sie sind günstiger, leichter und einfacher zu bedienen. Aber sie haben Grenzen. Kaltwasser wirkt gut bei Staub, Sand und trockenem Schmutz. Aber bei Moos, Algen, Fett oder Öl? Da reicht es nicht. Heißwasser hingegen löst Fett und organische Ablagerungen wie von selbst. Es tötet Sporen ab, die sonst in wenigen Wochen wieder wachsen. Das bedeutet: Einmal reinigen - länger sauber.Professionelle Dienstleister setzen fast ausschließlich auf Heißwasseranlagen mit Temperaturen über 100 °C. Sie kosten mehr, brauchen mehr Energie und sind schwerer zu transportieren. Aber sie sind effizienter. Und sie vermeiden den Einsatz von Chemikalien. Viel Wasser, viel Wärme - und kaum Reiniger. Das ist nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch günstiger auf lange Sicht.
Ein Beispiel: Ein Haus mit 20 Jahren Moosbewuchs wurde mit Kaltwasser nicht sauber. Mit Heißwasser und 120 Bar war die Fassade nach einer Stunde wie neu. Die Algen waren nicht nur entfernt - ihre Wurzeln waren zerstört. Kein Rückkehr.
Vorbehandlung und Nachsorge: Der entscheidende Unterschied
Viele Menschen denken, Hochdruckreinigung ist ein Ein-Schritt-Prozess: Wasser anmachen, losstrahlen, fertig. Das ist falsch. Die beste Reinigung beginnt mit einer Vorbehandlung. Vor dem Strahlen sollte man eine biologisch abbaubare Fassadenreinigungslösung auftragen. Diese löst den Schmutz sanft, macht ihn wasserlöslich und erleichtert den späteren Abtransport. Fassadenklar.de empfiehlt: „Verwenden Sie nur umweltfreundliche Reiniger, denn das Wasser läuft in den Boden - und in Ihren Garten.“Nach der Reinigung kommt der wichtigste Schritt: Imprägnierung. Ohne Schutz wird die Fassade in ein, zwei Jahren wieder schmutzig. Ein spezieller Fassadenschutz bildet eine unsichtbare Barriere. Er lässt Wasser abperlen, verhindert, dass Feuchtigkeit eindringt, und hemmt das Wachstum von Algen und Pilzen. Fassadenexpert.at betont: „Wir imprägnieren und desinfizieren immer nach der Reinigung. Sonst ist die Arbeit sinnlos.“
Einige moderne Systeme kombinieren Reinigung und Imprägnierung in einem Arbeitsgang. Das ist besonders sinnvoll bei größeren Projekten. Die Schutzschicht wird direkt auf die gereinigte, noch feuchte Fassade aufgetragen - so dringt sie tiefer ein und hält länger.
Was Sie unbedingt vermeiden müssen
- Zu hoher Druck: Selbst bei robusten Fassaden: Über 150 Bar ist fast immer zu viel. 100 bis 120 Bar reichen für die meisten Fälle. - Zu geringer Abstand: Halten Sie die Düse mindestens 40 cm von der Wand entfernt. Bei empfindlichen Materialien mehr. - Fehlende Vorbehandlung: Kein Reiniger vorher? Dann arbeiten Sie gegen den Schmutz - nicht mit ihm. - Keine Imprägnierung: Reinigen ohne Schutz ist wie Zähne putzen, aber keine Zahnpasta benutzen. - Keine Abdeckung von Fenstern und Türen: Wasser kann unter Fensterbänken eindringen und Feuchtigkeitsschäden in der Wand verursachen.Ein häufiger Fehler: Menschen denken, „mehr Druck = mehr Sauberkeit“. Falsch. Mehr Druck = mehr Schaden. Die Kunst liegt in der Präzision - nicht im Kraftaufwand.
Zukunft der Fassadenreinigung
Die Branche entwickelt sich schnell. Moderne Hochdruckreiniger haben jetzt intelligente Systeme, die automatisch den optimalen Druck für jede Fassadenart erkennen. Einige Geräte messen sogar die Oberflächenbeschaffenheit und passen die Temperatur und Wassermenge selbst an. Das ist besonders hilfreich für Laien, die nicht wissen, ob sie 100 oder 130 Bar brauchen.Auch die Umwelt spielt eine größere Rolle. In Zukunft werden geschlossene Wasserkreisläufe Standard. Das bedeutet: Das Wasser wird gesammelt, gereinigt und wiederverwendet - kein Abfluss in die Kanalisation, kein unnötiger Verbrauch. Und Reinigungsmittel werden immer biologischer, oft sogar ohne Chemie.
Der Trend geht klar in Richtung: weniger Druck, mehr Wissen. Die effektivste Reinigung ist nicht die lauteste oder stärkste - sondern die gezielte, angepasste, sichere.
Was tun, wenn Ihre Fassade empfindlich ist?
Wenn Sie Silikonharzputz, Kunstharzputz oder eine alte, poröse Fassade haben, gibt es Alternativen. Trockenstrahlen mit Korund oder Trockeneis ist eine Option, besonders wenn Wasser vermieden werden muss. Aber auch das hat Nachteile: Es ist teuer, erfordert Fachpersonal und kann bei falscher Anwendung ebenfalls Schäden verursachen. Eine sanftere Methode ist die manuelle Reinigung mit weichen Bürsten und speziellen Reinigungslösungen - oft mit Dampf, aber ohne Druck. Das dauert länger, kostet mehr, aber es ist sicher.Die Entscheidung: Wollen Sie schnell und günstig? Dann nur bei robusten Fassaden mit Hochdruck. Wollen Sie sicher und langfristig? Dann wählen Sie eine schonendere Methode - und investieren in den Schutz.
Angela Washington-Blair
Februar 24, 2026 AT 09:43Ich hab mal nen Kärcher ausprobiert und dachte, ich mach die Fassade blitzblank. Stattdessen hab ich ne halbe Wand abgesprengt. Jetzt sieht’s aus wie nach nem Bombenangriff. 😅
Astrid van Harten
Februar 24, 2026 AT 14:40Ha! Und ich dachte, ich bin clever, weil ich mit 80 Bar angefangen hab. Nein. Ich hab nur die Mooswurzeln in die Putzschicht hineingepresst. Jetzt wächst es noch dicker. Danke, Selbstversuch.
Ingeborg Kazensmelt
Februar 24, 2026 AT 19:48Wenn du Silikonharzputz hast: Finger weg vom Hochdruck! Ich hab ne 30-jährige Villa mit sanfter Bürste und Dampf gereinigt – nach 2 Jahren immer noch makellos. Keine Chemie, kein Druck, nur Geduld. Und das funktioniert. 🙌