Feuchte Wände im Altbau: Ursachen und wie Sie richtig sanieren
Feb, 28 2026
Feuchte Wände im Altbau sind kein seltenes Problem - sie betreffen bis zu 60% der Gebäude, die älter als 50 Jahre sind. In Österreich, Deutschland und der Schweiz ist das ein Alltagsproblem, das oft missverstanden wird. Viele denken, es sei nur Schimmel - und der lässt sich einfach abwischen. Doch dahinter steckt meist ein komplexes Zusammenspiel aus Baufehlern, Materialien und Nutzungsverhalten. Eine falsche Sanierung kostet nicht nur Geld, sie macht das Problem oft noch schlimmer. Hier erklären wir, was wirklich hinter feuchten Wänden steckt - und wie Sie es richtig angehen.
Warum feuchte Wände im Altbau so häufig sind
Altbauten wurden vor 1970 meist ohne moderne Abdichtung gebaut. Damals gab es keine Horizontalsperren, keine Kunststofffolien, keine wasserdichten Betonplatten. Die Wände atmeten - und das war gut so. Doch heute, mit modernen Fenstern, dichteren Dämmungen und erhöhter Luftfeuchtigkeit, funktioniert das alte System nicht mehr. Das führt zu Feuchtigkeit, die sich in den Wänden staut.Die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGM) hat in ihrer Studie 2023 gezeigt: In mehr als jeder zweiten älteren Wohnung gibt es deutliche Feuchtigkeitsspuren. Die Ursachen sind vielfältig - und oft liegen mehrere gleichzeitig vor.
Die acht Hauptursachen für feuchte Wände
- Aufsteigende Feuchtigkeit (45% der Fälle): Wasser steigt aus dem Erdreich durch die Mauerwerksporen nach oben. Bei älteren Häusern ohne Sperre kann das bis zu zwei Meter hoch gehen. Typisch: weiße Salzausblühungen an der Wand, besonders in Kellerbereichen oder Erdgeschossen. Messungen zeigen, dass diese Salze bis zu 120 Gramm pro Quadratmeter ablagern - ein klares Warnsignal.
- Eindringende Feuchtigkeit von außen (25%): Schlagregen bei Windstärke 5 oder mehr drückt bis zu 30 Liter Wasser pro Quadratmeter in undichte Fassaden. Besonders problematisch bei alten Ziegelwänden ohne Putzschutz oder defekten Dachrinnen.
- Kondensation (20%): Moderne Fenster halten die Luft dicht - aber die Feuchtigkeit bleibt drinnen. Jede Person gibt täglich 2 bis 3 Liter Wasserdampf ab. Bei Raumtemperaturen unter 18°C und Wandtemperaturen unter 12,5°C bildet sich Kondenswasser. Das ist die häufigste Ursache für Schimmel in Schlafzimmern und Bädern.
- Defekte Leitungen (5%): Ein tropfender Wasserhahn mit 0,5 Liter pro Stunde kann in drei Monaten eine ganze Wand durchfeuchten. Oft wird das erst bemerkt, wenn der Putz abblättert.
- Unzureichende Drainage (10%): Bei Häusern auf einem Hang oder in Senken sammelt sich Grundwasser. Wenn die Drainage verstopft oder nicht existiert, drückt das Wasser gegen die Kellerwände.
- Materialbedingte Feuchtigkeitsaufnahme: Kalksandstein oder alte Ziegel können bis zu 18% ihres Gewichts an Wasser aufnehmen. Ein solcher Stein wird schnell zur Feuchtigkeitsfalle, besonders wenn er mit modernem Zementputz verkleidet wurde - der das Atmen blockiert.
- Nutzungsbedingte Quellen: Trockner im Wohnzimmer, viele Pflanzen, Kochen ohne Absaugung - alles erhöht die Luftfeuchtigkeit. In kleinen Wohnungen mit vielen Bewohnern ist das ein Hauptproblem.
- Chemische Prozesse: In Betonwänden mit Stahlbewehrung kann Feuchtigkeit Rost verursachen. Der Rost nimmt bis zu 700% mehr Volumen ein als Stahl - und sprengt den Beton von innen. Das ist selten, aber extrem zerstörerisch.
Die wichtigste Erkenntnis: Nur 32% der Fälle haben eine einzige Ursache. In 68% der Fälle sind es mindestens zwei, oft drei oder mehr. Das macht die Diagnose so schwierig - und so wichtig.
Warum viele Sanierungen scheitern
Die meisten Hausbesitzer greifen zu schnellen Lösungen: Sie streichen ab, trocknen mit Geräten, setzen eine Dampfsperre ein. Doch genau das macht es oft schlimmer. Die Forschung des Instituts für Bauforschung (IfB) zeigt: 40% der Sanierungen sind Fehlsanierungen. Warum?Wenn man nur die Oberfläche behandelt, ohne die Ursache zu stoppen, wandert die Feuchtigkeit einfach an eine andere Stelle. Eine Innenabdichtung bei aufsteigender Feuchtigkeit? Die Feuchtigkeit steigt weiter - und drückt den Putz von innen ab. Eine Dampfsperre bei Kondensation? Die Feuchtigkeit bleibt in der Wand - und Schimmel wächst zwischen Dämmung und Wand.
Dipl.-Ing. Sabine Wagner von MH-Bautenschutz sagt es klar: „Ohne Feuchtekartierung, Salzanalyse und thermografische Aufnahmen riskieren Sie eine Fehlsanierung mit durchschnittlich 28.500 Euro Mehrkosten.“
Und das ist kein Einzelfall. Laut der Verbraucherzentrale gibt es eine Preisspanne von bis zu 300% für dieselbe Sanierung - je nachdem, wie viel der Handwerker „versteht“. Viele übertreiben die Komplexität, um höhere Kosten zu rechtfertigen. Andere unterschätzen sie, weil sie nur ein Werkzeug haben.
Wie Sie die Ursache richtig diagnostizieren
Eine gute Diagnose braucht drei Schritte - und Zeit.- Feuchtemessung (3 Wochen): Messen Sie mindestens fünf Punkte pro Wand mit einem Feuchtemessgerät. Nicht nur an der Oberfläche - sondern in 10 cm Tiefe. Die Werte sollten über mehrere Wochen stabil sein. Ein plötzlicher Anstieg nach Regen? Dann ist es eindringende Feuchtigkeit. Ein stetiger Anstieg von unten? Dann steigt das Wasser.
- Salzanalyse: Nehmen Sie drei Proben aus den weißen Ablagerungen. Die Art der Salze (Chlorid, Nitrat, Sulfat) zeigt, woher das Wasser kam. Sulfat-Salze kommen oft aus dem Erdreich, Chlorid-Salze aus dem Meer oder Salzstreustreifen.
- Thermografie: Machen Sie Aufnahmen bei Außentemperaturen unter 10°C. Warme Stellen zeigen, wo Feuchtigkeit gespeichert ist. Kühle Stellen zeigen Luftströme oder fehlende Dämmung. Das ist der entscheidende Hinweis, ob es Kondensation oder ein Baufehler ist.
Das kostet etwas - aber es spart viel mehr. Eine gute Diagnose kostet zwischen 300 und 800 Euro. Eine Fehlsanierung: 15.000 bis 50.000 Euro.
Was tun? Sanierungsstrategien nach Ursache
Fall 1: Aufsteigende Feuchtigkeit
- Injektionssperre: Bohren Sie Löcher in die Wand und spritzen Sie ein Silikat-Gel ein. Das blockiert die Kapillaren. Kosten: 35-65 Euro pro Meter Wandlänge. Funktioniert gut bei Ziegel- und Steinwänden.
- Horizontalsperrschlitz: Ein mechanischer Schnitt in die Wand, gefüllt mit Bitumen oder Kunststoff. Kosten: 80-120 Euro pro Meter. Nur bei massiven Wänden, nicht bei Hohlwänden.
- Elektrophysikalische Systeme: Eine schwache elektrische Spannung treibt das Wasser zurück. Kosten: 1.200-2.500 Euro pro System. Langsam, aber dauerhaft. Gut für Denkmalschutz, da nicht invasiv.
Fall 2: Kondensation und Luftfeuchtigkeit
- Innendämmung mit diffusionsoffenen Materialien: Verwenden Sie Lehmputz (45-75 Euro/m²) oder Hanfdämmplatten (65-95 Euro/m²). Beide lassen Feuchtigkeit durch - aber sie speichern sie und geben sie wieder ab. Der U-Wert verbessert sich um 0,35 bis 0,55 W/m²K - das spart Heizkosten.
- Regelmäßiges Lüften: Stoßlüften 3-4 Mal täglich, 5-10 Minuten. Keine Dauerlüftung! Das kühlt die Wände nur ab und macht Kondensation schlimmer.
- Entfeuchter im Bad und Keller: Ein guter Geräte-Entfeuchter mit 10-15 Liter Kapazität pro Tag reduziert die Luftfeuchtigkeit schnell. Wichtig: Regelmäßig ablaufen lassen - nicht nur aufstellen.
Fall 3: Eindringende Feuchtigkeit von außen
- Fassadenabdichtung: Eine wasserdichte Beschichtung mit Silikat- oder Kieselsäure-Basen. Nicht mit Kunststoff! Die Wand muss atmen können. Kosten: 80-120 Euro/m².
- Dachrinnen und Abflüsse reinigen: 90% der Fälle sind einfach verstopfte Abflüsse. Einmal im Jahr reinigen - und das Problem ist weg.
Fall 4: Defekte Leitungen
- Leckagesuche mit Drucktest: Ein Fachmann prüft die Leitungen mit Druckluft. Meist ist es ein alter Kupferrohranschluss oder eine defekte Dichtung unter der Badewanne.
Kosten und Dauer: Was Sie wirklich zahlen müssen
Die durchschnittliche Sanierung einer 80 m² Wohnung dauert 4-6 Wochen. Dazu kommt eine Trocknungsphase von mindestens 4 Wochen - das ist entscheidend. Wer sofort putzt, riskiert, dass die Feuchtigkeit wieder zurückkommt.
Die Kosten variieren stark:
- Feuchtemessung und Diagnose: 300-800 €
- Injektionssperre (10 m Wand): 400-600 €
- Innendämmung mit Hanf (80 m²): 5.200-7.600 €
- Fassadenabdichtung (120 m²): 9.600-14.400 €
- Elektrophysikalisches System: 1.800-2.500 €
63% der Sanierungen überschreiten das Budget - oft weil die Diagnose fehlt. Eine gute Analyse spart langfristig Geld. Und verhindert, dass Sie nach zwei Jahren wieder von vorne anfangen.
Was Sie jetzt tun sollten
1. Beobachten: Wo genau ist die Feuchtigkeit? Nur an der Bodenleiste? Dann ist es aufsteigend. In der Ecke des Zimmers? Dann ist es Kondensation. An der Außenwand? Dann ist es Schlagregen.
2. Messen: Kaufen Sie ein einfaches Feuchtemessgerät (ab 50 Euro). Messen Sie über zwei Wochen - nicht nur einmal.
3. Nicht überstürzen: Kein Handwerker soll sofort loslegen. Fragen Sie nach der Diagnosemethode. Wenn er nur sagt „das ist aufsteigende Feuchtigkeit“ - vertrauen Sie nicht.
4. Langfristig denken: Kombinieren Sie Feuchtesanierung mit energetischer Sanierung. Aber nur, wenn die Wände trocken sind. Sonst wird die Dämmung zur Feuchtigkeitsfalle.
Feuchte Wände im Altbau sind kein Fluch - sie sind ein Signal. Ein Signal, dass das Haus nicht mehr so funktioniert wie früher. Mit der richtigen Analyse wird es nicht nur trocken - es wird auch gesünder, effizienter und wertvoller.