Eigenleistung bei Trockenbau: Wände, Decken, Spachteln - So sparen Sie bis zu 20 Prozent
Jan, 6 2026
Stellen Sie sich vor: Sie bauen Ihre neue Wohnung selbst aus. Keine Handwerker, die ständig im Haus sind. Keine hohen Rechnungen für Wand- und Deckenarbeiten. Stattdessen: Sie machen es selbst. Trockenbau mit Gipskartonplatten, das Spachteln der Fugen, die Decke glatt ziehen - alles von Ihnen. Das ist keine Fantasie. Das ist Eigenleistung - und sie ist heute eine der effektivsten Möglichkeiten, bei der Baufinanzierung echte Geld zu sparen.
Im Jahr 2023 haben bereits 68 % der Bauherren in Deutschland Trockenbau als Eigenleistung übernommen, laut einer Umfrage von musterhaus.net. Das ist mehr als jede andere Ausbauleistung. Warum? Weil es machbar ist. Weil die Materialien klar sind. Und weil die Einsparungen real sind: bis zu 60 Euro pro Quadratmeter. Das sind bei einer 80 m²-Wandfläche über 4.800 Euro, die Sie nicht an einen Handwerker zahlen. Aber nur, wenn Sie es richtig machen.
Was genau ist Eigenleistung im Trockenbau?
Eigenleistung bedeutet: Sie führen Arbeiten aus, die sonst ein Fachmann erledigen würde. Im Trockenbau sind das vor allem drei Schritte: die Montage der Metallprofile, das Befestigen der Gipskartonplatten an Wänden und Decken, und das anschließende Spachteln. Alles, was Sie brauchen, ist eine Grundkenntnis, die richtige Ausrüstung und Geduld.
Die Banken nennen das auch Muskelhypothek. Das klingt etwas schräg, ist aber ein offizieller Begriff. Die Sparkasse Berlin und die VR Bank akzeptieren bis zu 15 % der gesamten Bausumme als Eigenkapital, wenn Sie diese Arbeiten selbst machen. Das kann entscheidend sein - besonders wenn Sie mit niedrigem Eigenkapital starten. Eine höhere Eigenkapitalquote bedeutet bessere Zinsen. Und das ist kein kleiner Bonus. Das sind Hunderte Euro pro Jahr, die Sie sparen.
Welche Materialien brauchen Sie?
Beginnen Sie mit den Platten. Für Wände nehmen Sie Gipskartonplatten (GKP) mit 12,5 mm Dicke. Das ist der Standard. Für Decken brauchen Sie mindestens 15 mm, sonst knicken sie durch ihr eigenes Gewicht durch. Wenn Sie Schallschutz brauchen - etwa zwischen Wohnzimmer und Schlafzimmer - dann greifen Sie zu speziellen Platten mit integriertem Dämmkern. Die kosten etwas mehr, aber sie verhindern, dass Ihr Nachbar die Fernseher lauter dreht als Sie.
Die Metallprofile sind das Gerüst. Sie kommen in U- und C-Form. Die U-Profile werden an Boden und Decke befestigt, die C-Profile dazwischen senkrecht. Wichtig: Die Profile müssen waagerecht und senkrecht sein. Schon 3 Millimeter Abweichung pro Meter führen zu sichtbaren Unebenheiten später. Ein Wasserwaagenlaser, der ab 150 Euro zu haben ist, ist kein Luxus - er ist Pflicht. Ohne ihn werden Ihre Wände schief. Und das sehen Sie später, wenn Sie die Tapete aufhängen.
Die Spachtelmasse ist der letzte Schritt. Sie brauchen drei Schichten: erst die Grundierung, dann den Füllspachtel für Fugen und Schrauben, und zum Schluss den Feinspachtel für die glatte Oberfläche. Nicht jede Spachtelmasse ist gleich. Nutzen Sie nur Produkte, die speziell für Gipskarton ausgelegt sind. Billige Mischungen von Baumärkten reißen oft nach der Trocknung. Das ist ärgerlich - und kostet Zeit und Geld, wenn Sie es nachbessern müssen.
So bauen Sie eine Wand - Schritt für Schritt
- Planen: Zeichnen Sie die Wand auf den Boden. Markieren Sie Türen, Steckdosen, Lichtschalter. Alles, was später durch die Wand führt, muss vorher geplant sein.
- Profile montieren: Befestigen Sie die U-Profile an Boden und Decke. Nutzen Sie einen Bohrer mit Betonbohrer und Dübel. Danach setzen Sie die C-Profile im Abstand von 40 oder 60 cm ein. Prüfen Sie mit dem Laser: jede Senkrechte muss exakt sein.
- Platten anbringen: Schneiden Sie die Gipskartonplatten mit einer Stichsäge zu. Achten Sie auf saubere Kanten. Befestigen Sie sie mit speziellen Trockenbauschrauben - nicht mit normalen Schrauben. Die Schraubenköpfe müssen leicht versenkt sein, aber nicht so tief, dass die Papierhaut reißt.
- Fugen und Schrauben spachteln: Nach 24 Stunden, wenn alles fest ist, füllen Sie die Fugen mit Füllspachtel. Legen Sie ein Fugengewebe darauf. Dann spachteln Sie die Schraubenköpfe. Warten Sie mindestens 24 Stunden. Dann kommt der Feinspachtel. Und wieder warten. Mindestens 48 Stunden, je nach Luftfeuchtigkeit.
- Prüfen: Nach der Trocknung schleifen Sie die Fläche mit einem Schwingschleifer. Keine scharfen Kanten, keine Risse. Dann ist die Wand bereit für Grundierung und Farbe.
Ein erfahrener Heimwerker braucht 8 bis 12 Stunden pro 10 Quadratmeter. Als Anfänger rechnen Sie mit 15 bis 20 Stunden. Das klingt viel. Aber es ist machbar. Wenn Sie am Wochenende zwei Stunden arbeiten, haben Sie in vier Wochen eine 40 m²-Wand fertig.
Decken sind schwieriger - aber machbar
Decken sind der schwierigere Teil. Sie arbeiten über Kopf. Die Platten sind schwer. Die Profile müssen perfekt waagerecht sein. Und die Spachtelmasse tropft leicht. Deshalb: Arbeiten Sie nicht allein. Brauchen Sie eine zweite Person, um die Platten zu halten. Nutzen Sie eine Arbeitsbühne oder stabile Leitern. Und planen Sie mehr Zeit ein. Eine Decke von 20 m² dauert mindestens 30 Stunden - bei Erfahrung. Ohne Erfahrung doppelt so lange.
Ein wichtiger Tipp: Verwenden Sie immer 15 mm starke Platten. Und achten Sie auf die Belastung. Wenn später eine Deckenlampe oder ein Lüftungsschacht montiert wird, muss das Profil darunter verstärkt sein. Sonst bricht die Decke durch.
Was Sie nicht selbst machen sollten
Nicht alles ist für Laien geeignet. Komplexe Konstruktionen wie Brandschutzwände, Dampfbremsen oder Schallschutzsysteme mit speziellen Dämmstoffen gehören in die Hände von Fachleuten. Hier zählt jede Millimeter-Dicke. Ein falscher Einbau kann die gesamte Sicherheit der Wohnung gefährden. Das ist kein Risiko, das Sie eingehen sollten.
Und: Keine Elektro- oder Wasserleitungen in die Wand einbauen, wenn Sie kein Elektriker oder Installateur sind. Das ist nicht nur gefährlich - es ist illegal. Die Versicherung zahlt nicht, wenn ein Feuer durch eine falsch verlegte Leitung entsteht.
Der Bauingenieur Prof. Schmidt von der TU München sagt es klar: „Viele Laien unterschätzen die Präzision, die bei der Montage von Metallprofilen erforderlich ist.“ Ein Meter Abweichung von 3 mm ist kaum sichtbar - aber nach dem Spachteln wird es zu einem sichtbaren Wellenmuster. Und das kann man nicht mehr überstreichen.
Die häufigsten Fehler - und wie Sie sie vermeiden
Die Handwerkskammer-Studie 2023 hat die häufigsten Fehler analysiert. Hier sind die Top 3:
- Unzureichende Vorbohrung der Profile (43 % der Risse): Wenn Sie die Schrauben direkt in das Metall schrauben, ohne vorzubohren, reißt das Gipskarton. Bohren Sie immer ein kleines Loch - mit einem 3-mm-Bohrer.
- Falsche Spachtelmasse (31 % Risse): Nutzen Sie nur Spachtelmasse, die explizit für Gipskarton steht. Alles andere trocknet zu schnell oder zieht sich zu stark zusammen.
- Ungenügende Trocknungszeiten (26 % Nachbesserungen): Sie wollen schnell fertig werden? Dann warten Sie trotzdem. Jede Schicht braucht mindestens 24 Stunden. Bei hoher Luftfeuchtigkeit 48. Sonst reißt der Spachtel. Und dann müssen Sie alles wieder aufmachen.
Und vergessen Sie nicht: Die Luftfeuchtigkeit im Raum zählt. Trocknen Sie nicht in einem kalten, feuchten Keller. Arbeiten Sie bei 18-22 °C und Luftfeuchtigkeit unter 60 %. Das ist ideal.
Dokumentation ist Pflicht - nicht nur für die Bank
Wenn Sie Eigenleistung als Teil Ihrer Baufinanzierung geltend machen wollen, brauchen Sie Beweise. Die Bank will sehen: Was haben Sie gemacht? Wie viel Zeit haben Sie investiert? Welche Materialien haben Sie gekauft?
Erstellen Sie ein Arbeitsprotokoll. Notieren Sie jeden Arbeitstag: Datum, Dauer, geleistete Arbeiten. Machen Sie Fotos - vor, während und nach dem Spachteln. Behalten Sie alle Rechnungen für Platten, Profile, Spachtel, Bohrer, Laser. Und wenn möglich: Lassen Sie einen Architekten oder Bauunternehmer eine kurze Bestätigung unterschreiben: „Die Trockenbauarbeiten wurden fachgerecht ausgeführt.“
Das ist kein bürokratischer Aufwand - das ist Ihr Versicherungsschein. Ohne Dokumentation zahlt die Bank die Eigenleistung nicht an. Und dann haben Sie die Arbeit gemacht - und keinen Cent gespart.
Wie viel Zeit und Geld sparen Sie?
Die Zahlen sind klar:
| Position | Eigenleistung | Handwerker | Einsparung |
|---|---|---|---|
| Materialkosten | 20-30 € | 20-30 € | 0 € |
| Arbeitskosten | 0 € | 60-80 € | 60-80 € |
| Gesamtkosten | 20-30 € | 80-110 € | 50-80 € |
Bei 100 m² Wandfläche sparen Sie also zwischen 5.000 und 8.000 Euro. Und das ist nur die direkte Einsparung. Dazu kommt der Effekt auf die Baufinanzierung: Wenn Sie 15 % der Bausumme als Eigenleistung anrechnen lassen, sinkt Ihre Kreditsumme - und damit Ihre Zinsen. Das ist ein langfristiger Gewinn.
Aber: Die Zeit kostet. Ein Anfänger braucht 80-100 Stunden für 100 m². Das sind 10-12 Wochen, wenn Sie 8 Stunden pro Woche arbeiten. Ist das viel? Ja. Aber ist es wert? Ja - wenn Sie Zeit haben und Lust auf handwerkliche Arbeit.
Was andere Bauherren sagen
Ein Nutzer auf Bauexperten.de schrieb: „Habe 45 m² Wand selbst gebaut - 1.850 Euro gespart, sieht professionell aus.“
Ein anderer: „Habe die Profile nicht waagerecht montiert. Jetzt sind alle Wände leicht schief - musste Handwerker für 950 Euro nachbessern lassen.“
Die Umfrage von Instagram (@Bauherren_Rat) mit 1.247 Teilnehmern zeigt: 58 % sind zufrieden, 27 % teils zufrieden, 15 % unzufrieden. Die häufigsten Probleme? Längere Bauzeit als geplant (63 %), ungenaue Ausrichtung (41 %), Risse im Spachtel (29 %). Aber: 78 % sagen, sie sind stolz auf das Ergebnis. 82 % sagen: „Ich fühle mich, als hätte ich etwas geschafft.“
Das ist der wahre Wert von Eigenleistung. Es ist nicht nur Geld. Es ist Stolz. Es ist die Gewissheit, dass Ihre Wohnung nicht nur gebaut wurde - sondern dass Sie sie mit Ihren Händen geschaffen haben.
Was sich 2026 ändert - und warum jetzt der beste Zeitpunkt ist
Seit Januar 2023 gibt es einen standardisierten Nachweis für Trockenbau-Eigenleistungen - entwickelt von der Deutschen Gesellschaft für Trockenbau (DGT). Das bedeutet: Banken akzeptieren die Dokumentation jetzt klarer und schneller. Und viele Bauunternehmen bieten spezielle „Eigenleistungs-Pakete“ an: Material, Anleitung, sogar Online-Kurse.
Seit Herbst 2023 gibt es die App „Trockenbau Coach“. Sie führt Sie Schritt für Schritt durch die Arbeit. Sie misst die Profilabstände, erinnert an Trocknungszeiten, zeigt Videos zu Fugenverarbeitung. Das Deutsche Institut für Bautechnik prognostiziert: Diese Apps senken die Fehlerquote um bis zu 40 %. Das ist ein Riesensprung.
Und die Preise? Gipskartonplatten kosten seit 2020 stabil 2,50 bis 3,50 Euro pro Quadratmeter. Handwerker hingegen steigern ihre Preise jedes Jahr um 3-5 %. Das heißt: Die Kosteneinsparung wird jedes Jahr größer. 2026 ist der perfekte Zeitpunkt, um anzufangen.
Kann ich Trockenbau als Eigenleistung bei jeder Bank anrechnen lassen?
Ja - aber nicht alle Banken akzeptieren es gleich. Die Sparkasse Berlin, die VR Bank und einige regionale Genossenschaftsbanken haben klare Richtlinien. Andere verlangen zusätzliche Nachweise. Fragen Sie vorab bei Ihrer Bank nach, ob sie Eigenleistungen akzeptiert und welche Unterlagen sie benötigt. Ein standardisierter Nachweis der DGT hilft dabei.
Brauche ich eine Bauhelferversicherung?
Ja. In Deutschland ist eine Bauhelferversicherung gesetzlich vorgeschrieben, wenn Sie als Privatperson an Ihrem eigenen Haus arbeiten. Sie kostet etwa 50-100 Euro pro Jahr und deckt Unfälle ab - zum Beispiel wenn Sie sich mit der Säge verletzen. Ohne Versicherung haften Sie selbst. Die meisten Versicherer bieten diese als Zusatz zur Privathaftpflicht an.
Wie lange dauert das Spachteln einer ganzen Wohnung?
Bei 100 m² Fläche brauchen Sie mindestens 3-4 Wochen, wenn Sie 3-4 Stunden pro Tag arbeiten. Jede Schicht muss trocknen - und das dauert. Die Grundierung: 24 Stunden. Füllspachtel: 24-48 Stunden. Feinspachtel: 48 Stunden. Danach schleifen. Und dann wieder warten. Wer es eilig hat, macht Fehler. Planen Sie doppelt so viel Zeit ein, wie Sie denken.
Ist es sinnvoll, nur die Decke selbst zu spachteln?
Ja - und das ist eine gute Einstiegsvariante. Die Decke ist weniger komplex als eine Wand, weil es keine Türen oder Steckdosen gibt. Sie können sich auf das Spachteln konzentrieren. Und das Ergebnis ist sofort sichtbar. Viele Bauherren beginnen mit der Decke, um Erfahrung zu sammeln, bevor sie an die Wände gehen.
Was mache ich, wenn die Wand nach dem Spachteln rissig ist?
Erstens: Nicht einfach neu spachteln. Der Riss kommt meist von falscher Vorbereitung. Prüfen Sie: Wurden die Fugen richtig mit Gewebe abgedeckt? Wurde die Spachtelmasse richtig verarbeitet? War die Trocknungszeit lang genug? Meistens müssen Sie den Riss mit einem Cuttermesser aufschneiden, das Gewebe neu einlegen, und dann neu spachteln. Einmal richtig machen - nicht nur drüberstreichen.
Wenn Sie jetzt sagen: „Ich kann das nicht“ - dann denken Sie an die 68 %, die es schon geschafft haben. Sie hatten keine Ausbildung. Sie hatten keine Erfahrung. Sie hatten nur die Bereitschaft, es zu versuchen. Und jetzt haben sie eine Wohnung, die sie selbst gebaut haben. Und Geld, das sie nicht ausgegeben haben. Das ist nicht nur Bauplanung. Das ist Selbstbestimmung.
Anton Uzhencev
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