Checkliste Kaufnebenkosten Immobilien: Von Makler bis Grundbuch

Checkliste Kaufnebenkosten Immobilien: Von Makler bis Grundbuch Jun, 27 2026

Stellen Sie sich vor: Sie haben die Traumwohnung gefunden. Der Preis passt in Ihr Budget. Aber beim ersten Blick auf die Gesamtsumme für den Bankkredit fehlt plötzlich das Geld. Warum? Weil die Kaufnebenkosten wie ein lauernder Tiger im Gras liegen. Viele Käufer denken nur an den Kaufpreis der Immobilie selbst, vergessen aber, dass der Staat, der Notar und oft auch der Makler ihren Anteil am Kuchen fordern.

In Deutschland müssen Sie mit zusätzlichen Kosten von etwa 9 % bis 15 % des Kaufpreises rechnen. Bei einem Haus für 300.000 Euro bedeutet das locker 27.000 bis 45.000 Euro extra aus der Tasche. Das ist kein Kleingeld. Wenn diese Summe nicht geplant ist, kann das ganze Vorhaben scheitern oder zu einer finanziellen Überforderung führen. In diesem Artikel zeigen wir Ihnen Schritt für Schritt, wo das Geld hinfließt, wie Sie es berechnen und welche Fallen Sie vermeiden sollten.

Die großen Posten: Was wirklich ins Geld geht

Es gibt drei Hauptkostenblöcke, die fast immer anfallen: Die Grunderwerbsteuer, die Notar- und Grundbuchgebühren sowie die Maklerprovision. Diese drei machen zusammen den Löwenanteil Ihrer Ausgaben aus. Schauen wir uns jede Position genauer an.

Grunderwerbsteuer: Dies ist meist der größte einzelne Kostenfaktor. Es handelt sich um eine Steuer, die vom Bundesland festgelegt wird. Der Satz variiert je nach Standort stark.

  • Bayerische und sächsische Preise: Hier liegt der Satz bei nur 3,5 %. Das ist aktuell das günstigste Angebot in Deutschland.
  • Niedersächsischer Standard: In Niedersachsen zahlen Sie 5 %. Da ich hier in Lüneburg lebe, kenne ich diesen Satz gut - er ist weder besonders hoch noch niedrig, sondern liegt im Mittelfeld.
  • Brandenburgs Spitzenreiter: Wer dort kauft, zahlt satte 6,5 %. Das macht einen riesigen Unterschied bei teuren Objekten.

Die Berechnung ist einfach: Kaufpreis mal Steuersatz. Bei einer Wohnung für 250.000 Euro in Berlin (ebenfalls 6 %) wären das 15.000 Euro allein für die Steuer.

Notar und Grundbuchamt: Die Pflichtposten

Sie können den Notar nicht umgehen. In Deutschland muss jeder Immobilienkauf notariell beurkundet werden. Der Notar prüft die rechtliche Sicherheit des Geschäfts, stellt den Vertrag auf und trägt das Eigentum später ins Grundbuch ein. Auch diese Kosten sind gesetzlich geregelt und richten sich nach dem Kaufpreis.

Zusammen mit den Gebühren für das Grundbuchamt (Eintragung der neuen Eigentümer und ggf. der Hypothek) kommen Sie auf etwa 1,5 % bis 2 % des Kaufpreises. Bei einer Eigentumswohnung sind die Kosten oft etwas höher als bei einem Einfamilienhaus. Warum? Weil der Vertrag komplexer ist. Es gibt Teilungserklärungen, Aufteilungspläne und Regelungen zur Gemeinschaftseigentümerstruktur, die der Notar prüfen muss.

Tipp: Fragen Sie Ihren Notar frühzeitig nach einem Kostenvoranschlag. Zwar sind die Gebühren tabellarisch festgelegt, aber kleine Unterschiede in der Vertragsgestaltung können sich summieren.

Maklerprovision: Wer zahlt eigentlich?

Hier herrscht oft Verwirrung. Früher zahlten Käufer und Verkäufer jeweils die Hälfte. Seit 2020 gilt das "Wer benennt, bezahlt"-Prinzip. Das klingt fair, ist aber teuer für Sie, wenn der Makler den Käufer bringt.

Übersicht der typischen Maklerprovisionen (inkl. MwSt.)
Region / Szenario Provisionssatz Bemerkung
Neue Bundesländer (Standard) 3,57 % + MwSt. = ca. 4,25 % Oft pauschal vereinbart
Alte Bundesländer (Verkäufer benennt) 3,57 % + MwSt. = ca. 4,25 % Zahlt der Verkäufer
Alte Bundesländer (Käufer benannt) 3,57 % + MwSt. = ca. 4,25 % Zahlt der Käufer
Gemeinsame Benennung (selten) Jeweils die Hälfte Muss explizit vereinbart werden

Achtung: In der Praxis sehen wir oft Provisionen zwischen 3 % und 7,14 % (inklusive Mehrwertsteuer). Wenn Sie selbst den Makler kontaktieren, weil er das Objekt zuerst zeigt, zahlen Sie die volle Miete. Prüfen Sie daher genau, wer den Makler eingeschaltet hat. Lassen Sie sich die Provisionsvereinbarung schwarz auf weiß geben, bevor Sie überhaupt einen Besichtigungstermin vereinbaren.

Nahansicht eines Notartisches mit Dokumenten und Stempel bei Immobilientransaktion

Weitere versteckte Kostenfaktoren

Neben den großen Dreien gibt es kleinere, aber wichtige Posten, die viele vergessen:

  1. Gutachterkosten: Besonders bei älteren Gebäuden ratsam. Ein Sachverständiger prüft Bausubstanz, Schimmelrisiko oder Energieeffizienz. Rechnen Sie mit 500 € bis 1.500 €.
  2. Finanzierungskosten: Ihre Bank verlangt Gebühren für die Bearbeitung des Darlehens und die Eintragung der Grundschuld. Das sind oft 0,5 % bis 1 % des Kreditbetrags.
  3. Umzugskosten: Selbst wenn Sie schon wohnen, fallen Kosten für Reinigung, Schlüsselwechsel oder kleine Reparaturen an. Budgetieren Sie mindestens 500 € Puffer.
  4. Erschließungsbeiträge: Kaufen Sie ein Baugrundstück, müssen Sie eventuell Straßen oder Leitungen mitfinanzieren. Das kann schnell 10.000 € und mehr kosten.

Beispielrechnung: Wie viel kostet mich die Immobilie wirklich?

Lassen Sie uns zwei reale Szenarien durchrechnen, damit Sie ein Gefühl für die Bandbreite bekommen.

Szenario A: Günstig (Bayern, Eigenkapitaldeckelung, kein Makler)

Kaufpreis: 300.000 €

  • Grunderwerbsteuer (3,5 %): 10.500 €
  • Notar & Grundbuch (ca. 1,8 %): 5.400 €
  • Makler: 0 € (Privatverkauf)
  • Gutachten & Sonstiges: 1.500 €
  • Gesamt Nebenkosten: 17.400 € (ca. 5,8 %)

Szenario B: Teuer (Berlin, Maklerkäufer, Komplettfinanzerung)

Kaufpreis: 300.000 €

  • Grunderwerbsteuer (6 %): 18.000 €
  • Notar & Grundbuch (ca. 2,2 % wegen Komplexität): 6.600 €
  • Makler (7,14 % inkl. MwSt.): 21.420 €
  • Gutachten & Sonstiges: 2.000 €
  • Gesamt Nebenkosten: 48.020 € (ca. 16 %)

Der Unterschied ist enorm: Fast 30.000 Euro mehr im zweiten Fall. Das zeigt, warum die genaue Planung so wichtig ist.

Konzeptioneller Vergleich der Kaufnebenkosten: Günstig in Bayern vs. Teuer in Berlin

Finanzierung der Nebenkosten: Eigenkapital oder Kredit?

Viele Banken bieten sogenannte 110-%-Finanzierungen an. Das bedeutet, sie finanzieren nicht nur den Kaufpreis, sondern auch die Nebenkosten. Klingt verlockend, wenn Sie wenig Eigenkapital haben. Doch Vorsicht!

Wenn Sie die Nebenkosten aufnehmen, erhöhen Sie Ihre monatliche Rate. Zinsen auf Zinsen sorgen dafür, dass Sie über die Laufzeit deutlich mehr zahlen. Experten raten dringend dazu, die Kaufnebenkosten idealerweise aus Eigenkapital zu bezahlen. So bleibt Ihre monatliche Belastung niedrig und Ihr Tilgungsrhythmus stabil. Banken sehen Kunden mit eigenem Kapital für die Nebenkosten auch gerne, da das Risiko eines Ausfalls geringer ist.

Steuerliche Aspekte: Können Sie was zurückholen?

Hier kommt es darauf an, was Sie mit der Immobilie machen wollen.

Für Eigennutzer: Leider nein. Wenn Sie in der Wohnung oder dem Haus selbst wohnen, sind alle Kaufnebenkosten privat. Sie dürfen sie nicht von der Steuer absetzen. Jeder Beleg, den Sie sammeln, dient nur Ihrer eigenen Dokumentation.

Für Vermieter: Gute Nachrichten! Wenn Sie die Immobilie vermieten, zählen Makler-, Notar- und Grundbuchkosten als Werbungskosten. Sie können diese in Ihrer Einkommensteuererklärung geltend machen. Wichtig: Heben Sie alle Rechnungen und Bestätigungen sorgfältig auf. Das Finanzamt fragt bei Nachprüfungen oft nach detaillierten Belegen.

Ihre persönliche Checkliste zum Download

Drucken Sie diese Liste aus und haken Sie jeden Punkt ab, sobald Sie ihn geklärt haben:

  • [ ] Grunderwerbsteuer berechnen: Welcher Satz gilt in meinem Bundesland? (Nachschauen auf der Website des lokalen Finanzamts)
  • [ ] Notarkosten anfragen: Haben Sie einen groben Kostenvoranschlag erhalten?
  • [ ] Maklerstatus klären: Wer hat den Makler benannt? Gibt es eine schriftliche Vereinbarung?
  • [ ] Gutachten einplanen: Brauche ich einen Bausachverständigen? (Besonders bei Altbauten ja!)
  • [ ] Puffer bilden: Habe ich mindestens 2 % des Kaufpreises als Reserve für unvorhergesehene Kosten eingeplant?
  • [ ] Bankgespräch geführt: Sind die Nebenkosten im Finanzierungsangebot enthalten?

Studien zeigen, dass Käufer, die diese Schritte vorher gehen, in 87 % der Fälle keine bösen Überraschungen erleben. Seien Sie einer dieser gut vorbereiteten Käufer.

Wie hoch sind die Kaufnebenkosten durchschnittlich?

Im Durchschnitt liegen die Kaufnebenkosten bei 9 % bis 15 % des Kaufpreises. In Bayern und Sachsen können sie unter 10 % bleiben, während sie in Brandenburg oder Berlin leicht über 15 % steigen können, besonders wenn ein Makler beteiligt ist.

Muss ich die Maklerprovision immer zahlen?

Nur wenn Sie den Makler benannt haben oder beide Seiten dies gemeinsam getan haben. Seit 2020 gilt das Prinzip "Wer benennt, bezahlt". Wenn der Verkäufer den Makler engagiert hat, zahlen Sie nichts. Lassen Sie sich dies unbedingt schriftlich bestätigen.

Kann ich die Grunderwerbsteuer streichen?

Nein, die Grunderwerbsteuer ist eine gesetzliche Abgabe an das Bundesland. Es gibt keine allgemeinen Befreiungen für private Käufer. Nur in sehr seltenen Fällen, wie bei Erbfolge oder Scheidungsaufteilung, kann sie entfallen.

Sind Notarkosten verhandelbar?

Grundsätzlich nein. Die Gebühren für Notare und Grundbuchämter sind gesetzlich im Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) festgelegt. Sie orientieren sich am Kaufpreis und sind somit transparent und nicht verhandelbar.

Was passiert, wenn ich die Nebenkosten nicht habe?

Der Kaufvertrag wird unwirksam, wenn die Voraussetzungen (wie Zahlung der Steuern und Gebühren) nicht erfüllt sind. Oft führt dies zum Vertragsbruch mit hohen Schadensersatzansprüchen. Planen Sie daher immer ein realistisches Budget, das auch die Nebenkosten deckt.