Anschlusskosten für Strom, Wasser, Gas und Kanal beim Neubau: Was Sie wirklich zahlen müssen
Jan, 16 2026
Beim Neubau eines Hauses denken die meisten an die Baukosten, die Innenausstattung oder die Finanzierung. Doch eine der größten Überraschungen kommt oft nach der Fertigstellung: die Anschlusskosten für Strom, Wasser, Gas und Kanal. Viele Bauherren rechnen mit 5.000 Euro - und landen bei 18.000. Warum? Weil die Kosten nicht festgelegt sind. Sie variieren von Gemeinde zu Gemeinde, von Bodenbeschaffenheit zu Bodenbeschaffenheit, und manchmal sogar von der Tageszeit, zu der Sie den Antrag stellen.
Wie hoch sind die tatsächlichen Kosten für Hausanschlüsse?
Es gibt keine einheitliche Preisliste. Jeder Versorger berechnet anders. Aber die Zahlen, die Bauherren wirklich zahlen, liegen in einer klaren Bandbreite:
- Stromanschluss: 1.200-4.000 Euro. Ein einfacher 30 kW-Anschluss mit 100 Metern Leitung kostet bei EWE Netz 1.273 Euro. Wer aber in einem abgelegenen Gebiet baut, wo neue Leitungen verlegt werden müssen, zahlt bis zu 4.000 Euro - besonders wenn Erdkabel statt Freileitungen nötig sind.
- Wasseranschluss: 1.000-5.000 Euro. In manchen Kommunen zahlen Sie nur 1.000 Euro für einen Standardanschluss. In anderen, wo der Wasserhauptleitungsdruck erhöht werden muss, kommen schnell 5.000 Euro zusammen. Ein Beispiel: EWE Netz berechnet 974 Euro für 80 Kubikmeter Bauwasser - das ist der Grundpreis, nicht der Endbetrag.
- Gasanschluss: 2.000-4.500 Euro. Hier gibt es zwei Teile: den Baukostenzuschuss (meist 800-1.200 Euro) und die eigentliche Anschlussleitung (1.500-2.000 Euro). Dazu kommen noch 50-120 Euro für den Gaszähler und 500-1.200 Euro für die Inneneinrichtung im Haus. Wichtig: Der Anschluss muss vor der Heizungsinstallation beantragt werden. Sonst hängt die ganze Bauphase in der Luft.
- Kanalanschluss: 1.500-8.000 Euro. Der größte Kostentreiber. In weichem Boden kostet es 2.000 Euro. In felsigem Untergrund, wie ein Bauherr auf Reddit berichtet, werden plötzlich 2.800 Euro fällig - nur für das Graben. Und seit 2025 kommen in vielen Kommunen noch 500-1.500 Euro für Regenwasserversickerung dazu.
Die Summe für alle vier Anschlüsse liegt meist zwischen 10.000 und 20.000 Euro. Wer glaubt, 7.000 Euro reichen, wird überrascht. Laut einer Umfrage unter 247 Bauherren im April 2024 lag die tatsächliche Summe bei 68 % der Fälle 15-25 % über der ursprünglichen Schätzung.
Warum sind die Kosten so unvorhersehbar?
Die Antwort ist einfach: Es geht nicht um den Anschluss, sondern um den Weg dorthin.
Die Entfernung zur nächsten Hauptleitung ist der wichtigste Faktor. Wenn Ihr Grundstück 50 Meter von der Straßengrube entfernt ist, kostet der Anschluss wenig. Wenn es 200 Meter sind, muss eine neue Leitung verlegt werden - und das kostet. Manche Versorger berechnen pro Meter extra. Andere haben feste Pauschalen - aber nur bis zu einer bestimmten Länge.
Dann kommt der Boden. Sand? Einfach. Lehm? Etwas aufwendiger. Fels? Ein Alptraum. Mit einem Steinbohrer kostet das Graben doppelt so viel. Und wenn Sie auf einem ehemaligen Müllplatz bauen? Dann muss der Boden erst untersucht und eventuell ausgetauscht werden - das kommt nicht in den Standardkosten vor.
Und dann gibt es noch die Region. In Schwaebisch Hall liegen die Gesamtkosten bei 6.600-11.800 Euro. In anderen Gegenden, wo die Infrastruktur schon seit Jahrzehnten besteht, sind es 15.000 Euro. Warum? Weil in manchen Gemeinden die Netze modernisiert werden - und die Kosten darauf umgelegt werden. Die Bundesnetzagentur hat 2023 eine durchschnittliche Kostensteigerung von 8,7 % für Strom und 6,3 % für Gas genehmigt - allein für die Energiewende.
Was ist mit dem Baukostenzuschuss?
Der Begriff klingt nach einer Ersparnis - ist er aber nicht. Der Baukostenzuschuss ist kein Rabatt, sondern ein Teil der Kosten, den der Versorger von Ihnen einzieht, um seine eigenen Ausgaben zu decken. Er darf laut Haus.de maximal die Hälfte der Kosten für die Erstellung oder Verstärkung des Netzes ausmachen. Das heißt: Wenn der Versorger 4.000 Euro für die Leitung ausgibt, darf er Ihnen 2.000 Euro als Zuschuss in Rechnung stellen. Der Rest kommt aus den Netzentgelten - also von allen Kunden. Sie zahlen also doppelt: einmal als Anschlusskunde, einmal als Endverbraucher.
Wie sparen Sie wirklich Geld?
Die meisten Bauherren beantragen jeden Anschluss einzeln. Das ist teuer. Denn jeder Versorger kommt mit einem eigenen Team, einem eigenen Termin, einem eigenen Graben. Das kostet Zeit - und Geld.
Die Lösung: Alle Anschlüsse gebündelt beantragen. Wenn Sie Strom, Wasser, Gas und Kanal gleichzeitig anmelden, können die Versorger ihre Arbeiten koordinieren. Ein Graben, ein Tag, ein Team. Das spart bis zu 1.200 Euro - wie ein Bauherr bei EWE Netz berichtet hat.
Und: Warten Sie nicht bis zur Baugenehmigung. Beantragen Sie die Anschlüsse mindestens 6-8 Wochen vor Baubeginn. Die Bearbeitungszeit liegt zwischen vier Wochen und mehreren Monaten. Wenn Sie zu spät kommen, bleibt Ihr Haus monatelang ohne Wasser - und Sie zahlen Miete für einen Baustromverteiler (150-300 Euro/Monat) und provisorisches Bauwasser (bis zu 500 Euro/Monat).
Was Sie sonst noch zahlen müssen
Die Anschlusskosten sind nicht alles. Da gibt es noch:
- Erdverkabelung: Wenn Sie Freileitungen vermeiden wollen, kostet das bis zu 30 % mehr. Die Verbraucherzentrale warnt: Viele Versorger erklären das nicht, bis die Gräben schon offen sind.
- Regenwasserkanal: Ab 2025 müssen viele Neubauten Regenwasser vor Ort versickern lassen - statt es in die öffentliche Kanalisation zu leiten. Das kostet 500-1.500 Euro extra - und wird oft als „Standard“ verkauf, obwohl es eine neue Pflicht ist.
- Telekommunikationsanschluss: Obwohl er nicht zur Grundversorgung zählt, brauchen Sie ihn. Kabel, Glasfaser, DSL - die Kosten liegen bei 600-800 Euro, je nach Anbieter und Ort.
Was sich 2025 ändert - und warum Sie das wissen müssen
Das neue Gebäudeenergiegesetz (GEG) tritt am 1. Juli 2024 in Kraft. Ab 2025 dürfen in Neubauten nur noch Heizungen mit mindestens 65 % erneuerbarer Energie installiert werden. Das bedeutet: Gasheizungen sind fast ausgestorben. Wärmepumpen, Solarthermie, Nahwärme - das ist die Zukunft.
Was heißt das für Sie? Wenn Sie heute bauen, brauchen Sie vielleicht gar keinen Gasanschluss mehr. Das spart 2.000-4.500 Euro. Aber: Strom wird teurer. Die Deutsche Energieagentur (DENA) prognostiziert bis 2027 eine Kostensteigerung von 12-15 % bei Stromanschlüssen - weil mehr Menschen auf Elektroheizung umsteigen. Die Netze werden überlastet. Und die Kosten dafür werden auf die Bauherren umgelegt.
Wenn Sie also heute bauen: Prüfen Sie, ob ein Gasanschluss wirklich nötig ist. Oder ob eine Wärmepumpe mit Solaranlage und Batteriespeicher die bessere, langfristig günstigere Lösung ist. Viele Bauherren, die vor zwei Jahren Gas angeschlossen haben, bereuen es heute - weil sie jetzt eine teure Nachrüstung mit Elektroheizung vornehmen müssen.
Was Sie jetzt tun müssen
Wenn Sie ein Haus bauen, machen Sie das hier als Erstes:
- Prüfen Sie die örtlichen Versorger. Finden Sie heraus, wer Strom, Wasser, Gas und Kanal in Ihrer Gemeinde betreibt. Das ist nicht immer der gleiche Anbieter.
- Beantragen Sie alle Anschlüsse gleichzeitig. Nutzen Sie das Online-Portal. 78 % der Versorger haben es mittlerweile. Die Bearbeitungszeit sinkt um 14 Tage.
- Fragen Sie nach der Bodenbeschaffenheit. Lassen Sie sich schriftlich bestätigen: Ist der Untergrund felsig? Gibt es alte Leitungen? Wer zahlt, wenn es teurer wird?
- Verlangen Sie eine detaillierte Kostenaufstellung. Nicht „ca. 15.000 Euro“. Sondern: „Strom: 1.500 €, Wasser: 3.200 €, Kanal: 5.800 €, Baukostenzuschuss: 1.200 €, Erdkabel: 2.000 €.“
- Bewahren Sie alle Belege auf. Das Finanzamt verlangt sie 10 Jahre lang, wenn Sie die Kosten steuerlich absetzen wollen. Die Anschlusskosten erhöhen den Wert Ihrer Immobilie - und sind deshalb absetzbar.
Die meisten Bauherren denken, die Anschlusskosten sind ein notwendiges Übel. Sie sind es nicht. Sie sind ein Teil Ihres Baukostenvorhabens - und wenn Sie sie richtig planen, sparen Sie Tausende. Und vermeiden, dass Ihr Traumhaus zu einem finanziellen Albtraum wird.